Die geschäftsführende US-Botschafterin in der Ukraine, Julie Davis, wird ihren Posten in Kiew nach weniger als einem Jahr aufgeben. Das teilte das US-Außenministerium am Dienstag mit. Davis werde im Juni 2026 abreisen und nach einer dreißigjährigen Karriere im diplomatischen Dienst in den Ruhestand gehen, hieß es in einer Erklärung von Ministeriumssprecher Tommy Pigott.
Die Financial Times hatte zuvor unter Berufung auf drei mit dem Vorgang vertraute Personen berichtet, Davis sei über die nachlassende Unterstützung von US-Präsident Donald Trump für die Ukraine frustriert. Das Außenministerium wies diese Darstellung zurück. „Es ist falsch zu behaupten, Botschafterin Davis trete wegen Differenzen mit Donald Trump zurück“, erklärte Pigott. Davis sei eine „standhafte Befürworterin“ der Bemühungen der Trump-Regierung um einen dauerhaften Frieden zwischen Russland und der Ukraine.
Bericht: Davis bei Botschafter-Wahl übergangen
Davis hatte den Posten in Kiew als Geschäftsträgerin (Chargé d'affaires) am 5. Mai 2025 übernommen, ohne vom US-Senat als Botschafterin bestätigt worden zu sein. Parallel ist sie seit 2023 als Botschafterin auf Zypern akkreditiert. Laut Financial Times fühlte sie sich im Oktober übergangen, als sie aus Medienberichten erfuhr, dass Trump den republikanischen Spender und Geschäftsmann John Breslow als nächsten Botschafter für Zypern nominiert hatte.
Ihre Vorgängerin Bridget Brink, die unter dem damaligen Präsidenten Joe Biden ernannt worden war, hatte den Posten im April 2025 aufgegeben. Sie begründete dies laut Kyiv Independent damit, dass Washington Druck auf Kiew ausübe, statt den Kreml in die Schranken zu weisen. Ein Verbleib hätte sie zur Mittäterin einer aus ihrer Sicht „gefährlichen und unmoralischen“ Politik gemacht. Brink kandidiert inzwischen als Demokratin für das US-Repräsentantenhaus in Michigan und wirft Trump Korruption und eine Beschwichtigungspolitik gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor.
Verhandlungen über Frieden in der Ukraine stocken
Der Rücktritt fällt in eine Phase, in der die von Washington vermittelten Friedensgespräche zwischen Moskau und Kiew weitgehend zum Stillstand gekommen sind. Die US-Regierung konzentriert sich derzeit auf den Krieg gegen den Iran. Ukrainische Geheimdienstvertreter erklärten dem Blatt, Russland plane, den Krieg fortzusetzen und im Sommer eine neue Offensive zu starten.
Trump hat seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 wiederholt der Ukraine eine Mitschuld an der russischen Invasion gegeben und drängt Kiew zu einem Friedensabkommen, das auch Gebietsabtretungen einschließen könnte. Im Februar 2025 war es im Oval Office zu einem öffentlichen Schlagabtausch zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gekommen, woraufhin Washington vorübergehend Militärhilfe und Geheimdienstinformationen aussetzte. Laut Kyiv Independent ist die US-Militärhilfe für die Ukraine 2025 um 99 Prozent eingebrochen.
Die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen, ranghöchste Demokratin im Auswärtigen Ausschuss des Senats, lobte laut Financial Times Davis' „stete und wirksame Führung“. Wichtige Posten wie Kiew dürften nicht mit Übergangslösungen verwaltet werden, eine vom Senat bestätigte Botschafterin oder ein Botschafter sei unverzichtbar. Wer Davis nachfolgen soll, ist offen.
Laut der American Foreign Service Association sind nur acht Prozent der von Trump nominierten Botschafter Karrierediplomaten – in der ersten Amtszeit waren es 57 Prozent.


