Globaler Süden

Uruguay übernimmt Vorsitz der G77+China – Auswirkungen auch auf Deutschland

Uruguay führt nun die G77+China-Gruppe von 134 Entwicklungsländern an. Dies verstärkt den Druck auf Europa. Doch welche konkreten Forderungen werden folgen?

Uruguays Außenminister Minister Mario Lubetkin bei Mercosur in Brasilien.
Uruguays Außenminister Minister Mario Lubetkin bei Mercosur in Brasilien.IMAGO/luxiao¡¤tawola

Uruguays Präsidentschaft der größten Entwicklungsländer-Koalition beeinflusst multilaterale Verhandlungen, Klima- und Energiepolitik sowie Handel und Investitionen. Europa und Deutschland müssen mit einem selbstbewussteren Globalen Süden rechnen.

Mit der Übernahme des Vorsitzes der G77+China durch Uruguay kommen auf Europa und Deutschland neue geopolitische und wirtschaftliche Herausforderungen zu. Das lateinamerikanische Land wird die 134 Entwicklungs- und Schwellenländer ein Jahr lang bei den Vereinten Nationen vertreten.

Globales Gleichgewicht als Ziel

Die G77+China strebt seit langem ein Gleichgewicht zum Globalen Norden an und fordert eine Reform der Weltwirtschaftsordnung. Unter Uruguays Führung dürften die Forderungen nach mehr Klimafinanzierung, Schuldenerleichterungen und faireren Handelsregeln an Europa lauter werden.

Für die deutsche und europäische Klimapolitik könnte dies einen stärkeren Druck bedeuten, den Entwicklungsländern entgegenzukommen - etwa durch Technologietransfers und finanzielle Unterstützung für eine nachhaltige Energiewende.

Die G77+China steht für fast die Hälfte des Welthandels mit Waren und ein Drittel des globalen Dienstleistungshandels. Für europäische Exporteure und Investoren, auch aus Deutschland, ist sie damit ein wichtiger Bezugsrahmen.

Offensive für fairen Handel

Sollte Uruguay eine koordinierte Offensive für „fairen Handel“ und ausgewogenere Wertschöpfungsketten starten, könnten auf deutsche Unternehmen im Globalen Süden neue Auflagen zukommen - von Technologietransfers über Produktionsverlagerungen bis hin zu strengeren Sozial- und Umweltstandards.

Zusätzlich übernimmt Uruguay den Vorsitz der Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (CELAC) und wird damit zum Hauptansprechpartner der EU in der Region. Themen wie erneuerbare Energien, grüner Wasserstoff und kritische Rohstoffe stehen im Fokus.

Für Deutschland ergeben sich daraus Chancen für eine vertiefte Zusammenarbeit, aber auch die Notwendigkeit, die Beziehungen zu Lateinamerika insgesamt zu stärken. Denn im geopolitischen Wettbewerb zwischen den USA und China hat Peking seine strategische Partnerschaft mit der Region deutlich ausgebaut.

Konkret betroffen sein könnten vor allem die deutsche Automobil-, Maschinen- und Anlagenbau-Industrie sowie der Erneuerbare-Energien-Sektor. In den anstehenden Verhandlungen zwischen EU und CELAC wird sich zeigen, wie sehr der Globale Süden unter uruguayischer Vermittlung als Einheit auftritt und welche Zugeständnisse er von Europa einfordern wird.