In Deutschland halten 81 Prozent der Menschen den wirtschaftlichen Wohlstand im Land für ungerecht verteilt. Lediglich 15 Prozent empfinden die gegenwärtige Verteilung als gerecht. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD hervor.
Das Empfinden einer ungleichen Verteilung zieht sich laut Umfrage durch alle Alters- und Einkommensgruppen. Eine Rückkehr zur seit 1997 nicht mehr erhobenen Vermögenssteuer befürworten 64 Prozent.
Umfrage: Unterschiede zwischen Ost und West
In Berlin und Brandenburg sind sogar 90 Prozent der Befragten der Ansicht, der Wohlstand in Deutschland sei ungerecht verteilt. Zudem befürworten die Berliner und Brandenburger die Wiedereinführung der Vermögenssteuer mit 70 Prozent mehr als der Bundesdurchschnitt. Viele Teilnehmende betonen auch die ungleiche Verteilung des Wohlstands zwischen Ost und West
Auch eine Anhebung der Steuer auf hohe Erbschaften halten 61 Prozent der Befragten für richtig. Beim Thema Zuwanderung sprechen sich zwei Drittel (6 Prozent) der Befragten dafür aus, Migrantinnen und Migranten Sozialleistungen erst dann zu gewähren, wenn sie längere Zeit in Deutschland gearbeitet haben. Jeder Vierte (26 Prozent) hält diesen Ansatz hingegen für falsch. Besonders ausgeprägt ist diese Haltung unter Menschen über 60 Jahren.
Im Januar hatte bereits die Kommission zur Sozialstaatsreform der Bundesregierung empfohlen, sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, den Zugang von EU-Ausländern zu Sozialleistungen in Deutschland künftig an eine umfassendere Beschäftigung zu knüpfen. Mehrheitliche Zustimmung erfährt dieser Vorschlag unter Sympathisanten der AfD (91 Prozent), der Union (79 Prozent) sowie der SPD (63 Prozent).
Knapp die Hälfte der Befragten (47 Prozent) kann persönliche Einschnitte zur Sicherung der Sozialsysteme nachvollziehen, ebenso viele lehnen dies ab. Regional zeigen sich deutliche Unterschiede: Während in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und den norddeutschen Bundesländern knappe Mehrheiten Verständnis äußern, überwiegt in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Ablehnung mit 60 Prozent gegenüber 31 Prozent Zustimmung.
Konkrete Einschnitte in einzelne Sozialversicherungszweige stoßen auf Zurückhaltung. Kürzungen bei der Arbeitslosenversicherung halten rund ein Drittel der Befragten für richtig, bei Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung jeweils nur eine kleine Minderheit. Gut die Hälfte lehnt Einschnitte in die Sozialsysteme grundsätzlich ab.
Befragte: Merz soll auch Beamte bei Rentenreform berücksichtigen
Bei der bevorstehenden Rentenreform, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) noch in diesem Jahr anstoßen will, sprechen sich 86 Prozent dafür aus, auch Beamte, Selbstständige und Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Eine stärkere Orientierung der Rente an den Beitragsjahren halten zwei Drittel für richtig, ein Viertel für falsch.
Eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung lehnen dagegen 64 Prozent ab; 29 Prozent halten dies für richtig. Auch ein Systemwechsel nach US-amerikanischem Vorbild – mit einer auf das Minimum reduzierten gesetzlichen Rente, niedrigeren Beiträgen und stärkerer Eigenverantwortung – wird von sieben von zehn Befragten abgelehnt. Merz hatte vor einer Woche erklärt, die gesetzliche Rente werde künftig „allenfalls noch die Basisabsicherung“ sein.


