Kriegstechnologie

Ukraine setzt im Krieg gegen Russland erstmals Roboterbataillone ein

Die ukrainische Armee baut den Einsatz unbemannter Kampffahrzeuge an der Front massiv aus. Allein im Januar 2026 absolvierten die Streitkräfte mehr als 7000 Einsätze mit Bodenrobotern.

Ein ukrainischer Soldat bereitet ein unbemanntes Bodenfahrzeug (UGV) für den Einsatz vor.
Ein ukrainischer Soldat bereitet ein unbemanntes Bodenfahrzeug (UGV) für den Einsatz vor.Madiyevskyy Vyacheslav/imago

Kiews Streitkräfte setzen zunehmend auf bewaffnete Bodenroboter, sogenannte Unmanned Ground Vehicles (UGVs) – ferngesteuerte Fahrzeuge, die ohne menschliche Besatzung operieren. Wie die BBC berichtet, kommandiert Oleksandr Afanasiev von der 54. mechanisierten Brigade nach eigenen Angaben das weltweit erste UGV-Bataillon. Das Fachportal Defence Industry Europe ordnet solche Verbände als Teil einer umfassenden Robotisierungsoffensive ein.

Allein im Januar 2026 führten die ukrainischen Streitkräfte mehr als 7000 Einsätze mit Bodenrobotern durch – überwiegend für Logistik und die Bergung von Verwundeten, doch der Anteil bewaffneter Missionen wächst. Afanasievs Einheit rüstet die Fahrzeuge mit Maschinengewehren vom Typ Kalaschnikow aus. „Sie eröffnen das Feuer auf einem Schlachtfeld, auf das sich ein Infanterist nicht trauen würde“, sagte er der BBC.

Personalmangel treibt Einsatz von Robotern

Ein wesentlicher Grund ist der akute Soldatenmangel. Drohnen haben die Todeszone auf 20 bis 25 Kilometer von der Frontlinie ausgedehnt. „Die Ukraine kann es sich leisten, Roboter zu verlieren, aber nicht kampfbereite Soldaten“, so Afanasiev.

Der stellvertretende Kommandeur der 33. mechanisierten Brigade, Rufzeichen „Afghan“, betonte gegenüber der BBC jedoch die Grenzen: „Die Entscheidung zu schießen, trifft ein Mensch. Roboter können Zivilisten falsch identifizieren.“

Das ukrainische Rüstungs-Start-up Tencore produzierte im Jahr 2025 bereits über 2000 UGVs. Firmenchef Maksym Vasylchenko rechnet für das Jahr 2026 für die gesamte Ukraine mit einem Bedarf von rund 40.000 Einheiten, davon zehn bis 15 Prozent bewaffnet.

Russland entwickelt eigene Systeme

Auch Russland arbeitet an Kampfrobotern wie dem „Kuryer“, der laut BBC mit Flammenwerfer und schwerem Maschinengewehr bestückt werden kann. Laut Defence Industry Europe bleibt der russische Serieneinsatz jedoch hinter dem ukrainischen zurück.

Yuriy Poritsky, Chef des ukrainischen Technologieunternehmens Devdroid, hält direkte Roboter-gegen-Roboter-Gefechte laut BBC für unvermeidlich. Und der ehemalige ukrainische Oberbefehlshaber Valerii Saluschnyj skizzierte bei einem Vortrag im Thinktank Chatham House die nächste Stufe: KI-gesteuerte Schwärme aus Luft-, Boden- und Seedrohnen, die koordiniert aus verschiedenen Richtungen angreifen.