Wutausbruch

„Loser, verrückt, low IQ“: Trump zerlegt prominente MAGA-Stimmen

Nach Kritik an seinem Iran-Kurs aus dem MAGA-Lager schlägt Donald Trump zurück. Der Präsident attackiert prominente konservative Medienstimmen – und verschärft den Konflikt in seiner Bewegung.

US-Präsident Donald Trump
US-Präsident Donald TrumpSaul Loeb/AFP

US-Präsident Donald Trump hat einen offenen Bruch mit Teilen seines eigenen MAGA-Lagers vollzogen. Auf Kritik aus der Bewegung reagierte er mit einem ungewöhnlich scharfen, persönlichen Angriff auf prominente konservative Medienstimmen und frühere Unterstützer.
In einem langen Beitrag auf seiner Plattform Truth Social griff er Tucker Carlson, Megyn Kelly, Candace Owens und Alex Jones frontal an. Diese hätten ihn „seit Jahren bekämpft“, behauptete Trump – vor allem, weil sie angeblich Positionen vertreten würden, die dem Iran nützten.

Er warf ihnen vor, sie hätten „alle eines gemeinsam: niedrigen IQ“. Wörtlich schrieb Trump: „Das sind dumme Leute, sie wissen es, ihre Familien wissen es, und alle anderen wissen es auch.“

Der Präsident ging weit über politische Kritik hinaus und arbeitete sich an den Biografien der vier ab. Sie seien „vom Fernsehen verschwunden“, hätten ihre Shows verloren und würden heute nur noch versuchen, über „drittklassige Podcasts“ Aufmerksamkeit und Klicks zu bekommen. Niemand interessiere sich mehr für sie.

Trump über Tucker Carlson: Ein „gebrochener Mann“

Besonders scharf fiel Trumps Ton gegenüber Carlson aus. Dieser sei ein „gebrochener Mann“, „seit seiner Entlassung bei Fox nicht mehr derselbe“ und solle „einen guten Psychiater aufsuchen“.

Über Kelly schrieb Trump, sie habe ihn „bösartig“ mit einer Frage aus einem TV-Duell im Jahr 2015 konfrontiert. Damals hatte sie ihn darauf angesprochen, dass er Frauen wiederholt als „fette Schweine“, „Hunde“ oder „Schlampen“ bezeichnet habe. Trump wich aus und entgegnete: „Only Rosie O’Donnell“ – eine Anspielung auf seinen langjährigen Streit mit der US-Komikerin.

Candace Owens bezeichnete er als „verrückt“ und verwies auf ihre wiederholt verbreiteten Behauptungen über Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Owens hatte öffentlich infrage gestellt, dass Brigitte Macron als Frau geboren wurde, und damit Spekulationen aufgegriffen, die international für Kritik sorgte.

Alex Jones nannte er „bankrott“ und erinnerte an dessen Verurteilung wegen Falschbehauptungen zum Schulmassaker von Sandy Hook.

Trump stellte die vier zudem demonstrativ außerhalb seiner politischen Bewegung. Sie seien „nicht MAGA“, sondern „Loser“, die nur versuchten, sich an die Bewegung „anzuhängen“.

„MAGA steht für Sieg und Stärke“, schrieb er. Es gehe darum, „dem Iran keine Atomwaffen zu erlauben“. Die Kritiker hätten „keine Ahnung“, wie das zu erreichen sei.

Juli 2022: Tucker Carlson (l) und Donald Trump vergnügen sich auf Trumps Golfkurs im US-Bundesstaat New Jersey.
Juli 2022: Tucker Carlson (l) und Donald Trump vergnügen sich auf Trumps Golfkurs im US-Bundesstaat New Jersey.Seth Wenig/AP

Kritik aus dem eigenen Lager am Iran-Kurs

Der Ausbruch des Präsidenten folgt auf Tage ungewöhnlich offener Kritik aus genau diesem Lager. Mehrere prominente Stimmen der MAGA-Bewegung hatten sich öffentlich gegen Trumps Vorgehen im Krieg mit dem Iran gestellt. Tucker Carlson griff insbesondere einen früheren Beitrag Trumps an, in dem dieser Angriffe auf iranische Infrastruktur in Aussicht gestellt hatte. Trumps Osterbeitrag auf Truth Social lautete: „Dienstag wird der Tag des Kraftwerks und der Tag der Brücke, alles in einem, im Iran sein. So etwas hat es noch nie gegeben!!! Öffnet die verdammte Meerenge, ihr verrückten Mistkerle, oder ihr werdet in der Hölle leben – WARTET ES AB! Gelobt sei Allah. Präsident DONALD J. TRUMP.“

In seinem Podcast sagte Carlson, kein „anständiger Mensch“ mache sich über die Religion anderer lustig, und warnte vor einer Eskalation in Richtung Religionskrieg.

Candace Owens formulierte ihre Kritik noch schärfer. In einem Beitrag auf X schrieb sie, Regierungsmitglieder müssten „auf die Knie fallen“ und Gott um Vergebung bitten. Sie warf Trump vor, den Verstand verloren zu haben, und forderte, man müsse seinem „Wahnsinn Einhalt gebieten“.

Megyn Kelly erklärte in ihrem Podcast laut NBC News: „Ich habe genug davon.“ Sie kritisierte Trumps Rhetorik mit den Worten: „Du drohst nicht einfach damit, eine ganze Zivilisation auszulöschen.“ Der US-Präsident hatte in einem anderen Post auf Truth Social in Richtung der Iraner geschrieben: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben, um nie wieder zurückzukehren.“

Alex Jones brachte in seiner Sendung sogar eine Amtsenthebung ins Spiel. Er fragte, wie man Trump über den 25. Verfassungszusatz aus dem Amt entfernen könne. Auch andere konservative Stimmen meldeten sich zu Wort. Die Kommentatorin Ann Coulter warf Trump vor, sich im Iran an „Kriegsverbrechen“ zu beteiligen.

Streit um „America First“ und den Iran-Krieg

Im Kern geht es um eine Grundsatzfrage. Mehrere der Kritiker werfen Trump vor, seine eigene „America First“-Doktrin zu verlassen. Im Wahlkampf hatte er versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen. Der aktuelle militärische Kurs gegenüber dem Iran steht aus Sicht seiner Gegner im Widerspruch dazu. Zuletzt wurde der Druck so groß, dass sich Trump mit dem Iran auf eine 14-tägige Waffenruhe einigte.

Der Konflikt in Nahost und die daraus resultierenden Folgen spiegeln sich auch in Umfragen wider. Laut CNN lehnen 32 Prozent der MAGA-Republikaner die Entsendung von Truppen in den Iran ab. Andere Erhebungen, etwa von NBC News, zeigen gleichzeitig weiterhin breite Unterstützung für die Militäraktionen – besonders unter überzeugten MAGA-Anhängern.

Weißes Haus verteidigt Linie

Das Weiße Haus weist die Kritik zurück. Ein Sprecher erklärte laut Newsweek, Trump setze lediglich sein zentrales Wahlversprechen um, dem Iran den Weg zur Atombombe zu versperren. Entscheidungen in der nationalen Sicherheit würden nicht auf Grundlage von Umfragen getroffen.