Vertreter der Regierung von US-Präsident Donald Trump haben geheime Gespräche mit der Hamas geführt, um die Freilassung der im Gazastreifen festgehaltenen US-Geiseln zu erreichen. Dabei sei außerdem die Möglichkeit eines Abkommens zur Beendigung des durch die Massaker vom 7. Oktober 2023 ausgelösten Krieges mit Israel ausgelotet worden. Dies berichteten die Nachrichtenagentur Reuters und das israelische Nachrichtenportal Walla am Mittwoch.
Sollte sich die Berichte bestätigen, wäre es das erste Mal, dass derartige Gespräche ohne Vermittlung stattfinden. Die USA hatten die islamistische Palästinensergruppe 1997 als terroristische Organisation eingestuft.
Den Berichten zufolge traf der Gesandte des US-Präsidenten für Geiselangelegenheiten, Adam Boehler, mehrmals mit hochrangigen Hamas-Vertretern zusammen und erörterte dabei unter anderem die Möglichkeit eines langfristigen Waffenstillstands zwischen Israel und der Hamas. Die Treffen zwischen Boehler und Hamas-Funktionären sollen in den vergangenen Wochen in Doha stattgefunden haben. Das Weiße Haus und das Büro des Premierministers äußerten zunächst sich nicht zu den Berichten.
Waffenruhe im Gazastreifen ins Stocken geraten
Die Waffenruhe im Gazastreifen war am 19. Januar in Kraft getreten. Im Zuge der ersten Phase wurden 33 Geiseln an Israel übergeben, darunter acht Tote. Im Gegenzug waren rund 1800 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen freigekommen. Damit werden noch 58 Geiseln im Gazastreifen festgehalten, von denen 34 durch die israelische Armee für tot erklärt wurden.
Die Hamas wies die Bedingungen der israelischen Regierung für eine Fortsetzung der Waffenruhe umgehend zurück. „Jede Diskussion über die Waffen des Widerstands (gegen Israel) sind Unsinn“, sagte Sami Abu Suhri, der der Führung der radikalislamischen Palästinenserorganisation angehört. „Die Waffen des Widerstands sind für die Hamas und alle Widerstandsgruppen eine rote Linie.“ Damit sei die Entmilitarisierung des Gazastreifens „eine nicht verhandelbare Frage“, hob Abu Suhri hervor.
Israel: Entmilitarisierung des Gazastreifens Bedingung für zweite Waffenruhe-Phase
Israel hatte am Sonntag angekündigt, wegen der Uneinigkeit über die Fortsetzung der Waffenruhe in einer zweiten Phase Hilfslieferungen in den Gazastreifen zu stoppen. Premierminister Benjamin Netanjahu will die Hamas damit dazu bewegen, seine Bedingungen für eine zweite Phase der Waffenruhe zu akzeptieren. Am Dienstag hatte seine Regierung eine „vollständige Entmilitarisierung des Gazastreifens“ und die Übergabe der verbliebenen Geiseln zur Bedingung für eine zweite Phase der Waffenruhe gemacht. „Raus mit der Hamas und dem Islamischen Dschihad“, sagte der israelische Außenminister Gideon Saar bei einer Pressekonferenz.
Trump lehnt arabischen Gazastreifen-Plan ab
Zudem hat das Weiße Haus einen Plan für den Wiederaufbau des Gazastreifens nach dem Ende des Krieges zwischen Israel und der Hamas abgelehnt. Der Plan wurde von Ägypten am Dienstag während eines Gipfeltreffens der Arabischen Liga in Kairo vorgestellt. Der von den arabischen Staaten angenommene Vorschlag „geht nicht auf die Realität ein, dass der Gazastreifen derzeit unbewohnbar ist und die Bewohner nicht menschenwürdig in einem Gebiet leben können, das mit Trümmern und nicht explodierten Sprengkörpern bedeckt ist“, sagte der Sprecher für nationale Sicherheit der USA, Brian Hughes. Er fügte hinzu, dass „Präsident Trump an seiner Vision festhält, den von der Hamas befreiten Gazastreifen wieder aufzubauen“ und dass die USA „sich auf weitere Gespräche freuen, um der Region Frieden und Wohlstand zu bringen.“


