Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum hat am 9. April den Vorwurf zurückgewiesen, Kuba habe Mexiko gebeten, Informationen über humanitäre Hilfslieferungen an die Insel unter Verschluss zu halten. „Kuba hat uns nie gebeten, Informationen zurückzuhalten", sagte Sheinbaum auf ihrer täglichen Pressekonferenz im Nationalpalast in Mexiko-Stadt. Kein anderes Land könne Mexiko vorschreiben, offizielle Daten zu verbergen.
Zuvor hatte die mexikanische Tageszeitung El Universal berichtet, Mexiko habe auf Bitten Kubas zugestimmt, Informationen über die Hilfslieferungen fünf Jahre lang unter Verschluss zu halten. Als Begründung sei angeführt worden, eine Veröffentlichung könne die bilateralen Beziehungen gefährden und Dissidentengruppen auf der Insel könnten die Verteilung der Hilfsgüter stören.
Sheinbaum bezeichnete den Bericht als falsch. Selbst wenn eine solche Bitte vorgelegen hätte, entscheide allein Mexiko über eine Veröffentlichung. „Wir haben nichts zu verbergen", sagte sie. Alle Informationen zur Zusammenarbeit und zum Erdölexport könnten eingesehen werden.
Weitere Treibstoffhilfe wird geprüft
Die Präsidentin bestätigte, dass Mexiko Erdöl nach Kuba exportiert habe – eine Praxis, die seit Jahren bestehe. Derzeit prüfe ihre Regierung, wie Mexiko weiterhin Treibstoff liefern könne, ohne die eigenen Staatsfinanzen zu belasten. Kuba beziehe Treibstoff gegenwärtig auch aus Russland, sagte Sheinbaum laut der Tageszeitung La Jornada. Darüber hinaus unterstütze Mexiko Kuba auf weiteren Wegen, die Sheinbaum nicht näher erläuterte.
Nach der Festnahme und Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA bei einem Militäreinsatz in Caracas Anfang Januar kappte Washington venezolanische Öllieferungen nach Kuba. Staaten, die Kuba mit Öl beliefern, drohte US-Präsident Donald Trump Ende Januar mit Strafzöllen. Aus Sicht Havannas zielt diese Politik auf einen Sturz der Regierung und die Rückkehr der Insel unter US-Vorherrschaft.
Am 31. März hatte der russische Tanker „Anatoly Kolodkin“ mit rund 700.000 Barrel Rohöl im Hafen von Matanzas angelegt. Es handelte sich um die erste größere Öllieferung seitdem die US-Regierung Kuba von der Treibstoffversorgung abgeschnitten hatte. Washington ließ die Lieferung nach eigenen Angaben aus humanitären Gründen zu.
Kuba ist bei der Energieversorgung stark von importiertem Treibstoff abhängig. Wenn Lieferungen ausbleiben oder sich verzögern, verschärft das die Wirtschaftskrise und führt zu Stromabschaltungen. Zudem sind die Kraftwerke des Landes technologisch veraltet und havarieanfällig. Die Energiekrise beeinträchtigt das Stromnetz, das Gesundheitswesen und den öffentlichen Verkehr.
Havanna sieht die seit Jahrzehnten bestehende Blockade mit Handels-, Wirtschafts- und Finanzsanktionen vonseiten der USA als zentrale Ursache der Versorgungs- und Energieprobleme des Landes.
Sheinbaum beruft sich auf diplomatische Tradition
Die Unterstützung Kubas ordnete Sheinbaum in eine lange außenpolitische Tradition Mexikos ein. Sie verwies auf die Aufnahme spanischer Republikaner unter Präsident Lázaro Cárdenas sowie auf Mexikos Hilfe für politische Flüchtlinge aus Südamerika während der dortigen Militärdiktaturen. Zudem nannte sie jüngere Einsätze bei Waldbränden in Chile und Kalifornien und nach Naturkatastrophen in Haiti.
Mexiko unterstütze zudem El Salvador und Honduras über das Sozialprogramm Sembrando Vida. „Mexiko ist ein Land mit einer wunderbaren Tradition der Brüderlichkeit", sagte die Präsidentin. Sie verteidigte zugleich das Prinzip der Selbstbestimmung des kubanischen Volkes.


