Migrationspolitik

Mehrere Todesfälle in Tempelhofer Flüchtlingsunterkunft: Vorwürfe von Alkoholkonsum und Gewalt

In der Großunterkunft für Flüchtlinge auf dem ehemaligen Flughafengelände in Tempelhof gab es mehrere Todesfälle. Das Landesamt nennt Details.

In der Geflüchtetenunterkunft in Tempelhof sind über 1000 Menschen untergebracht.
In der Geflüchtetenunterkunft in Tempelhof sind über 1000 Menschen untergebracht.Schoening/imago

In der Füchtlingsunterkunft auf dem früheren Gelände des Flughafens Tempelhofs hat es mehrere Todesfälle gegeben. Wie das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bestätigte, verstarben im vergangenen Jahr drei Geflüchtete nach einer Alkoholvergiftung.

Außerdem habe es zwei Suizide gegeben, einen 2025 und einen weiteren in diesem Jahr, beide außerhalb der Flüchtlingsunterkunft. In diesem Jahr sei es außerdem zu zwei Suizidversuchen gekommen.

Alkoholkonsum Problem in Flüchtlingsunterkunft Tempelhof

Zuerst hatte der Tagesspiegel darüber berichtet. In der Notunterkunft auf dem ehemaligen Flughafengelände gebe es eine Gruppe von 50 bis 60 Menschen, die insbesondere mit dem Kofnsum von Alkohol Probleme hätten, sagte der Sprecher. Dabei handle es sich in der Regel um ältere Menschen mit einer „längeren Historie“ beim Thema Alkoholmissbrauch.

Die Senatorin für Arbeit, Soziales und Integration, Cansel Kiziltepe (SPD) versicherte auf dpa-Anfrage: „Alle Vorfälle werden dokumentiert, jeder Vorfall wird konsequent aufgearbeitet.“ Nur so sei es möglich, gegen Missstände vorzugehen.

„Wir wissen, dass Notunterkünfte wie in den Tempelhofer Hangars keine guten Voraussetzungen für die Integration geflüchteter Menschen sind“, räumte Kiziltepe ein. „Weil wir die Einrichtung aber aktuell nicht schließen können, haben wir im Rahmen der Möglichkeiten eine Reihe von Verbesserungen umgesetzt, die den Menschen dort das Leben erleichtern sollen.“

Zum einen seien mehr Beschäftigte eingestellt worden, die Russisch und Ukrainisch sprechen. „Es gibt aufsuchende Beratung für Menschen, die viel Alkohol trinken.“ Alkoholkonsum in der Unterkunft ist nicht erlaubt – aber außerhalb des Geländes nicht zu kontrollieren.

Es seien inzwischen auch mehr in der Ukraine ausgebildete Psychologinnen und Psychotherapeutinnen im Einsatz, die insbesondere Menschen mit Traumata unterstützen sollen. „In den Containern leben nur noch maximal drei Menschen, nicht mehr vier wie früher.“

Nach Angaben des Sprechers sind in Containern in den Hangars und davor derzeit rund 1050 Menschen untergebracht. Neben dieser Notunterkunft gibt es noch Tempohomes genannte Wohncontaineranlagen mit rund 775 weiteren Geflüchteten.

Nach Schießung von Tegel: Mehr Menschen in Tempelhof

An der Situation für Geflüchtete auf dem Flughafengelände gab es unter anderem wegen der beengten Verhältnisse in der Vergangenheit immer wieder Kritik. Streit und Frustration eskalieren dort regelmäßig.

Die Situation soll sich dem Bericht zufolge verschlimmert haben, als Bewohner von der Großunterkunft in Tegel nach Tempelhof verlegt wurden. Nach der Schließung der Flüchtlingsunterkunft in Tegel, die durch kleinere Unterbringungen ersetzt wurde, sind mittlerweile noch mehr Menschen in Tempelhof untergebracht.

In diesem Jahr sollen keine neuen Flüchtlingsunterkünfte in Berlin gebaut werden. Für 2026 ist nun noch vorgesehen, dass eine größere Unterkunft an der Hasenheide eröffnet, die seit langem geplant war. (mit dpa)