Der Krankenstand in Teslas Werk im brandenburgischen Grünheide ist nach Angaben von Werksleiter André Thierig auf weniger als fünf Prozent gesunken. Das verkündete Thierig auf der Hannover Messe in einem Gespräch, über das das Handelsblatt berichtet. Im August 2024 hatte der Wert noch bei 17 Prozent gelegen. „Ich glaube, da würden viele Unternehmen neidisch drauf schauen, hätten sie das geschafft“, sagte Thierig.
Den Rückgang führt der Werksleiter unter anderem auf neue Angebote für die Belegschaft zurück. Tesla habe ein Mitarbeiter-Aktienprogramm aufgelegt, ein Fitnessstudio sowie einen Barbershop eröffnet. Beschäftigte könnten zudem für 25 Euro pro Tag einen Tesla mieten.
Tesla-Werksleiter suchte krankgeschriebene Mitarbeiter auf
Bereits im Juli 2023 hatte Thierig auf einer Betriebsversammlung erklärt, in seiner Fabrik sei „kein Platz“ für Beschäftigte, die morgens „nicht aus dem Bett“ kämen. Im Herbst 2024 suchten Thierig und Personalchef Erik Demmler krankgeschriebene Mitarbeiter unangekündigt zu Hause auf. Auch Tesla-Chef Elon Musk hatte sich vor einigen Jahren zum Krankenstand geäußert.
Parallel zum Rückgang des Krankenstands hat Tesla nach Informationen des Handelsblatts erneut Schreiben an länger erkrankte Beschäftigte verschickt, in denen die Entgeltfortzahlung gestoppt wird. „Keine weitere Entgeltfortzahlung wegen möglicher Fortsetzungserkrankung“, lautet die Überschrift eines Briefes, der der Zeitung vorliegt. Mehrere Betriebsräte bestätigten den Vorgang. Tesla bezweifelt darin, dass eine neue Erkrankung vorliegt, und fordert die Beschäftigten auf, ihre Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden und die Krankengeschichte detailliert offenzulegen.
Arbeitsrechtler halten dieses Vorgehen für problematisch. Gregor Thüsing, Professor an der Universität Bonn, sagte dem Handelsblatt, die Forderungen gingen über die Anforderungen der Rechtsprechung hinaus. Kein Mitarbeiter müsse von sich aus Diagnosen offenlegen, und kein Arzt müsse mit Tesla über seine Diagnose diskutieren. Die IG Metall hatte nach eigenen Angaben bereits 2024 rund 160.000 Euro für Beschäftigte erstritten, denen Tesla zuvor den Lohn einbehalten hatte.
Trotz des angekündigten Wachstums hat sich die Belegschaft in Grünheide seit März 2024 von gut 12.400 auf rund 10.700 Beschäftigte verringert. Bis Ende Juni sollen laut Thierig rund 1000 neue Mitarbeiter eingestellt und die Produktion auf 6000 Fahrzeuge pro Woche gesteigert werden. Dass dafür weniger Personal als zuvor benötigt werde, begründet der Werksleiter mit Automatisierung.
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