Nahost

Syrien: Änderungen im Lehrplan lösen Proteste aus – neue Führung verteidigt Pläne

Kritiker fürchten, dass die Änderungen im Lehrplan syrischen Schülern eine islamistische Agenda aufzwingen sollen. Was ist geplant?

Syrische Schüler vor ihrer Schule in Damaskus Mitte Dezember
Syrische Schüler vor ihrer Schule in Damaskus Mitte DezemberLeo Correa/AP

Syriens neue Regierung hat mit der Ankündigung eines überarbeiteten Lehrplans für Empörung gesorgt. Kritiker fürchten, dass die Änderungen den Schülerinnen und Schülern eine islamistische Agenda aufzwingen sollen. Das syrische Bildungsministerium hatte zuvor zwölf Dokumente veröffentlicht, in denen Anpassungen und Auslassungen in den Schulbüchern zu Arabisch, Geschichte, Naturwissenschaften, Sozialkunde und Religion aufgeführt waren.

Die meisten Änderungen betrafen laut einem Bericht der Financial Times die Streichung von Verweisen auf das Regime des gestürzten Präsidenten Baschar al-Assad und seines Vaters Hafez, einschließlich Fotos und Erwähnungen der Armee und der Nationalhymne.

Doch auch die Änderungen unreligiöser Ausdrücke, wie „Weg des Guten“ in „islamischer Weg“ und „diejenigen, die verdammt sind und in die Irre gegangen sind“ in „Juden und Christen“ seien darin enthalten. Diese beziehen sich auf eine ultrakonservative Auslegung eines Verses im heiligen Buch des Islam, dem Koran. Durch die Änderungen wird auch das Wort „Märtyrer“ neu definiert, von jemandem, der für das Vaterland gestorben ist, zu jemandem, der sich „um Gottes willen“ geopfert hat. Einige Kapitel wurden offenbar ganz gestrichen, wie die Liste zeigt, darunter ein Kapitel über „den Ursprung und die Evolution des Lebens“.

Das sorgte in den sozialen Medien für scharfe Kritik. „Die Auslöschung der Verherrlichung des untergegangenen Regimes ist verständlich, aber die Auslöschung historischer Fakten und Ereignisse aus dem Kampf unseres Volkes und von Meilensteinen alter Zivilisationen ... [ist] kein Zufall“, schrieb Rima Flihan, eine syrische Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin, auf Facebook.

Neuer syrischer Bildungsminister verteidigt Änderungen

Der neue Bildungsminister Nazir al-Qadri, der zuvor in der Region Idlib Bildungsminister der von der HTS unterstützten Regierung war, verteidigte am Donnerstag den überarbeiteten Lehrplan. Er habe einige Änderungen angeordnet, um „alles zu streichen, was das untergegangene Assad-Regime verherrlicht“, und die alte syrische Flagge durch die Flagge der Opposition zu ersetzen. Die Behörden würden zudem „einige der falschen Informationen ... im Lehrplan für den Islamunterricht“ ändern, einschließlich der Auslegung von Koranversen. Ansonsten blieben die Lehrpläne an syrischen Schulen unverändert, „bis spezielle Ausschüsse gebildet werden, die sie überprüfen und kontrollieren“.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters hatte al-Qadri im vergangenen Monat zugesichert, dass sowohl die islamische als auch die christliche Religion weiterhin als Schulfächer bestehen und Grundschulen weiterhin gemischtgeschlechtlich unterrichtet würden. Die Bildung für Mädchen und junge Frauen sei sicher, hieß es weiter.

Kritiker befürchten jedoch, dass die islamistische Rebellengruppe Hai’at Tahrir asch-Scham (HTS), die die neue Regierung dominiert, versuchen wird, ihre religiöse Weltanschauung in dem Land durchzusetzen. Syrer haben nun laut einem BBC-Bericht zu Protesten aufgerufen, um ihre Ablehnung der Änderungen im Bildungssystem zu zeigen.

Syrien galt lange Zeit als eines der säkularsten Länder des Nahen Ostens. Während der Assad-Herrschaft hatte es jedoch auch Diskriminierung von Muslimen gegeben – so wurden Frauen teils auf offener Straße in den 80ern von Assad-Unterstützern die Kopftücher heruntergerissen.