Der eskalierte Machtkampf zwischen der Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) führt im Sudan zur derzeit gravierendsten humanitären Krise weltweit. Besonders schlimm sei die Lage in der westlichen Darfur-Region, in der bereits von 2003 bis 2005 nach UN-Angaben etwa 200.000 bei einem Genozid getötet wurden, die meisten von ihnen Angehörige der nicht-arabischen Bevölkerungsgruppen.
Ärzte ohne Grenzen rief dazu auf, zusammen mit internationaler Hilfe gegen den Hunger in der Region vorzugehen. Die Mangelernährung von Kindern nehme immer weiter zu, erklärte die Hilfsorganisation am Dienstag. In der Region Nord-Darfur gebe es Ortschaften, in denen 35 Prozent der Kinder im Dezember mangelernährt waren. Sieben Prozent drohten demnach zu verhungern.
Allein am vergangenen Wochenende wurden nach Berichten der Sudan Tribune in Darfur mindestens 248 Menschen getötet. Die Versorgung von Kranken und Verletzten ist demnach kaum möglich, immer wieder gibt es Angriffe auf Krankenhäuser. Ärzte ohne Grenzen musste deswegen die Arbeit in einigen Einrichtungen einstellen.
Sudan: Dutzende Zivilisten bei Angriffen auf Städte getötet
Bei zwei weiteren Angriffen in großen Städten im Süden und Westen des Sudan wurden am Montag mindestens 65 Menschen getötet und 133 weitere verletzt, teilten Krankenhausbeamte der Nachrichtenagentur AFP mit. Unter den Todesopfern seien auch zahlreiche Zivilisten. Im Süden feuerten Rebellen eines Zweigs der sudanesischen Volksbefreiungsbewegung Nord (SPLM-N) Granaten auf Kadugli ab, die Hauptstadt der von der sudanesischen Armee kontrollierten Provinz Südkordofan.
„Bei den Bombenangriffen wurden 40 Menschen getötet und 70 weitere verletzt“, sagte eine Quelle im Hauptkrankenhaus von Kadugli gegenüber AFP.
Bei Luftangriffen der sudanesischen Armee seien laut AFP mindestens 25 Menschen getötet worden. Es gebe zudem mehr als 60 Verletzte. Zu den tödlichen Angriffen sei es in der Hauptstadt des Bundesstaates Süd-Darfur, Nyala, gekommen. Die Quelle, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben wollte, sagte gegenüber AFP, es sei der zweite Tag in Folge, an dem Nyala bombardiert wurde. Dabei handelt es sich um eine strategisch wichtige Stadt in der riesigen Darfur-Region im Westen des Sudan, die von den Rapid Support Forces gehalten wird.
UN: 8,5 Millionen Menschen leiden unter Hunger
Laut Ärzte ohne Grenzen sind 2500 Hilfsgütertransporte pro Monat nötig, um die größte Not zu lindern. Von August bis Dezember hätten allerdings nur etwas mehr als 1000 Hilfslieferwagen Darfur erreicht. Vor allem die RSF-Miliz halte immer wieder Lieferungen auf. Rund die Hälfte der sudanesischen Bevölkerung hat nicht genug zu essen. 8,5 Millionen Menschen leben nach UN-Angaben in einem Hungersnot-ähnlichen Zustand. Zehntausende sind seit Kriegsbeginn getötet worden, etwa zwölf Millionen Menschen sind auf der Flucht. (mit epd)

