Plug-in-Hybridfahrzeuge schlucken auf der Straße im Schnitt rund das Vierfache dessen, was die offiziellen Herstellerangaben versprechen. Das geht aus einer Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) hervor, die Echtdaten von knapp einer Million Fahrzeugen der Baujahre 2021 bis 2023 ausgewertet hat.
Während der Normverbrauch laut EU-Typgenehmigung bei rund 1,4 bis 1,6 Litern auf 100 Kilometern liegt, ermittelten die Forscher reale Werte zwischen 5,8 und 6,1 Litern. Sie lagen damit in der Nähe reiner Verbrenner.
Vier Gründe für die Abweichung bei Plug-in-Hybriden
Studienleiter Patrick Plötz vom Fraunhofer ISI nannte es einen „Schock“, dass die Fahrzeuge selbst im überwiegend elektrischen Modus noch durchschnittlich rund drei Liter auf 100 Kilometern verbrauchten. Die Wissenschaftler vermuten, dass der Verbrennungsmotor deutlich häufiger anspringt als bislang angenommen.
Laut der Studie tragen vier Faktoren zur Diskrepanz bei: Die reale Elektroreichweite ist kürzer als im Testzyklus. Die Forscher ermittelten, dass nur knapp die Hälfte der Strecken mit Elektroantrieb zurückgelegt werden. Im EU-Test wird aber ein Anteil von bis zu 85 Prozent unterstellt. Ebenfalls übertreffen die Langstreckenfahrten in der Realität deutlich die Batteriekapazität,
Hinzu kommt: Viele Halter laden ihre Fahrzeuge kaum oder gar nicht auf, sodass der Antrieb überwiegend vom Verbrenner stammt. Der elektrische Fahranteil lag insgesamt nur bei rund einem Viertel. Damit verbraucht der Verbrennungsmotor im Alltag auch noch mehr als unter Laborbedingungen.
Forscher fordern schärfere EU-Regeln
Die Autoren fordern eine Anpassung der EU-Regularien, damit die Kluft zwischen Papier und Realität schrumpft. Plötz plädierte dafür, Fahrzeuge künftig anhand realer Verbrauchsdaten statt nach Typgenehmigung zu bewerten.
Der Umweltverband VCD bezeichnete Plug-in-Hybride als „Mogelpackung“ und forderte, die geplante Kaufprämie der Bundesregierung ausschließlich auf reine Elektroautos zu beschränken. Bundesumweltminister Carsten Schneider räumte ein, dass vollelektrische Fahrzeuge besser für die Umwelt seien, begründete die Förderung von Plug-in-Hybriden aber mit wirtschafts- und beschäftigungspolitischen Erwägungen. (mit AFP)


