Thailands Regierungschef Anutin Charnvirakul hat eine Einigung mit dem Iran über die sichere Durchfahrt thailändischer Öltanker durch die Straße von Hormus verkündet. Das berichtet etwa die Nachrichtenagentur Reuters. Zudem entschuldigte er sich bei der Bevölkerung für die starken Schwankungen der Treibstoffpreise und räumte ein, die Dauer des internationalen Konflikts unterschätzt zu haben.
„Thailändischen Öltankern wird eine sichere Durchfahrt ermöglicht“, erklärte Anutin laut der Nachrichtenagentur AFP am Samstag vor Journalisten in Bangkok. Die Vereinbarung solle Sorgen über die Ölversorgung und steigende Kraftstoffpreise mindern. Das thailändische Außenministerium teilte laut dem Wall Street Journal mit, dass bereits ein Tanker des thailändischen Energiekonzerns Bangchak Corporation die Meerenge passieren konnte.
Noch Anfang des Monats hatte der Iran nach Angaben des Wall Street Journal ein unter thailändischer Flagge fahrendes Frachtschiff, die Mayuree Naree, beschossen. Das Schiff fing nördlich von Oman Feuer, drei Besatzungsmitglieder werden seither vermisst, 20 weitere konnten gerettet werden. Mitte dieser Woche passierte ein erster thailändischer Tanker schließlich die Straße von Hormus.
Durch die Meerenge fließt normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports. Seit dem Beginn der militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und Israel einerseits und dem Iran andererseits Ende Februar ist die Meerenge von iranischer Seite weitgehend blockiert. Der Iran beschoss zudem Ölanlagen in mehreren Golfstaaten sowie Öltanker, was die globalen Energiepreise massiv in die Höhe trieb.
Regierung gibt Fehleinschätzung zu und steuert um
Dies traf auch Thailand schwer. Bei einer Pressekonferenz im Regierungsgebäude am Freitag entschuldigte sich Anutin laut der thailändischen Zeitung The Nation ausdrücklich für die Turbulenzen bei den Ölpreisen in der ersten Märzhälfte. Die Regierung habe zunächst erwartet, dass sich der Konflikt kurzfristig entspannen werde, und deshalb an Preissubventionen festgehalten, um Landwirte und den Transportsektor zu schützen.
„Ich muss mich bei der Bevölkerung für die Unruhe entschuldigen, die durch das Management der Ölpreise entstanden ist“, sagte Anutin. Da der Konflikt jedoch länger andauere als angenommen, habe die Regierung eine umfassende Neuausrichtung ihrer Energiepolitik eingeleitet.
Ölreserven auf 100 Tage aufgestockt
Als zentrale Maßnahme nannte Anutin nun die Aufstockung der strategischen Ölreserven. Durch beschleunigte Einlagerung und erhöhte Transportzyklen seien die Reserven innerhalb kurzer Zeit von 62 auf 100 Tage angewachsen – laut The Nation der höchste Stand seit mehreren Jahren. Zuvor hatten Regierungsvertreter für April lediglich mit Reserven von 90 bis 95 Tagen gerechnet.
Auch bei der Preisgestaltung vollzog die Regierung einen Kurswechsel: Statt vollständiger Subventionierung setzt Thailand nun auf ein halbflexibles System, bei dem die Inlandspreise stärker die Entwicklung auf dem Weltmarkt widerspiegeln. Anutin begründete dies laut The Nation damit, dass die Subventionen zeitweise bis zu 24 Baht (0,63€) pro Liter betragen hätten, was Anreize für den Schmuggel von Treibstoff in Nachbarländer geschaffen habe.


