Kolonialerbe

Spurensuche: Simbabwe identifiziert aus Südafrika zurückgegebene Ahnenreste

Die Überreste von acht Toten aus der Kolonialzeit waren vor rund 130 Jahren nach Kapstadt gebracht worden. Nur bei zweien sind Schädel und vollständiges Skelett erhalten.

Simbabwes Präsident Emmerson Mnangagwa mit dem aus Südafrika zurückgegebenen Speckstein-Vogel im Amtssitz des Präsidenten in Harare.
Simbabwes Präsident Emmerson Mnangagwa mit dem aus Südafrika zurückgegebenen Speckstein-Vogel im Amtssitz des Präsidenten in Harare.Shaun Jusa/imago

In Simbabwe haben Fachleute mit der Identifizierung von acht menschlichen Überresten begonnen, die im vergangenen Monat aus Südafrika zurückgegeben wurden. Das berichtete am Sonntag die simbabwische Zeitung The Herald unter Berufung auf die staatliche Museums- und Denkmalbehörde NMMZ.

Spuren führen in mehrere Regionen Simbabwes

NMMZ-Direktor Paul Mupira sagte der Zeitung, die Untersuchung solle Namen, Herkunft und Todesumstände klären. Die Überreste seien einst aus Gräbern, Höhlen und Bergen geholt worden. Mutmaßlich stammen die Toten aus den Gegenden um Kwekwe, Mutasa, Chikomba, Arcturus, Goromonzi, Mazowe und nördlich von Harare. Nur bei zweien seien Schädel und vollständiges Skelett erhalten, berichtete Mupira.

Der südafrikanische Minister für Sport, Kunst und Kultur, Gayton McKenzie, sagte laut The Herald, einer der Toten sei vermutlich ein Häuptling der Kalanga, dessen Schädel seit 1910 in einer Museumssammlung gelegen habe. Andere Überreste seien aus Gräbern entnommen, einer nach einem gewaltsamen Tod eingesammelt, zwei am Grund eines Minenschachts gefunden worden. Später wurden sie nach Kapstadt gebracht.

Speckstein-Vogel als nationales Symbol

Die Übergabe geht auf eine Zeremonie am 14. April im Iziko South African Museum, einem staatlichen Museum für Natur- und Kulturgeschichte in Kapstadt, zurück. Dabei wurden auf Anweisung von Präsident Cyril Ramaphosa ein Speckstein-Vogel und die menschlichen Überreste an Vertreter Simbabwes übergeben. Der Speckstein-Vogel stammt aus Groß-Simbabwe, der wichtigsten Ruinenstätte des Landes. Die Vogelplastiken gelten in Simbabwe als nationales Symbol. Ein solcher Vogel ist auch auf der Flagge und im Staatswappen zu sehen. Einen Tag später nahm Präsident Emmerson Mnangagwa den Speckstein-Vogel und die Ahnenreste im Amtssitz des Präsidenten in Harare entgegen.

Der Vogel ist der letzte der acht bekannten Speckstein-Vögel aus Groß-Simbabwe, der noch in Südafrika war. Er war im 19. Jahrhundert nach Südafrika gebracht und später an den britischen Kolonialunternehmer Cecil John Rhodes verkauft worden.

Kolonialgeschichte und Widerstand

The Herald ordnet die zurückgegebenen menschlichen Überreste in den Kontext des Ersten Chimurenga ein, des bewaffneten Aufstands gegen die britische Kolonialherrschaft 1896 und 1897. Mbuya Nehanda und Sekuru Kaguvi, zwei religiöse Führungsfiguren des Aufstands, wurden damals von den Kolonialbehörden hingerichtet und gelten bis heute als Symbole des Widerstands.

Simbabwe ist ein Binnenstaat im südlichen Afrika, der von Südafrika, Botswana, Sambia und Mosambik umgeben ist.  Mit rund 16 bis 17 Millionen Einwohnern zählt es zu den mittelgroßen Staaten der Region. Das frühere Südrhodesien stand unter britischer Herrschaft. Nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung des weißen Minderheitsregimes im Jahr 1965 wurde Simbabwe im Jahr 1980 als unabhängiger Staat international anerkannt.

Die Bevölkerung ist ethnisch und sprachlich vielfältig: Die große Mehrheit gehört den Shona an, daneben leben vor allem Ndebele im Land. Religiös prägen Simbabwe das Christentum und synkretistische Glaubensformen. Nach Jahrzehnten unter Robert Mugabe übernahm im Jahr 2017  Emmerson Mnangagwa die Macht. Politisch zeigt das Land weiterhin autoritäre Züge, weite Teile der Bevölkerung leben in Armut. Die Wirtschaft des Landes wird von Landwirtschaft, Bergbau und Dienstleistungen geprägt. Gold, Tabak und andere Rohstoffe gehören zu den wichtigsten Einnahmequellen.

Bestattung nach Identifizierung

The Herald zufolge sollen archäologische Spuren, historische Akten und Gespräche mit möglichen Herkunftsgemeinschaften helfen, die Toten zu identifizieren. Anschließend sollen die Überreste bestattet werden.