Mitte

Eklat um Krankschreibung: SPD fordert Bürgermeister-Kandidatin zum Rückzug auf

Uta Francisco Dos Santos soll nicht wie geplant für das Amt der Bezirksbürgermeisterin von Mitte kandidieren.  Die SPD habe von ihrer Situation nichts gewusst.

Uta Francisco Dos Santos soll auf SPD-Drängen doch nicht für das Amt der Bezirksbürgermeisterin von Mitte kandidieren.
Uta Francisco Dos Santos soll auf SPD-Drängen doch nicht für das Amt der Bezirksbürgermeisterin von Mitte kandidieren.fueruns.uta/instagram

Die Kandidatin der SPD für das Bezirksbürgermeisteramt, Uta Francisco Dos Santos, soll ihre Kandidatur zurückziehen. Dies bestätigte der SPD-Kreisverband Mitte in einer Pressemitteilung.

„Nach intensiver Beratung im geschäftsführenden Kreisvorstand sind wir zu dem Schluss gekommen, dass ein weiteres Festhalten an der Kandidatur für das Amt der Bürgermeisterin derzeit nicht verantwortbar ist“, erklären die SPD-Kreisvorsitzenden Annika Klose und Yannick Hahn. Sie hätten dos Santos daher darum gebeten, auf ihre Kandidatur zu verzichten.

Ergänzend dazu liegt der Berliner Zeitung eine Stellungnahme von Steffen Krach, dem Spitzenkandidaten und designierten Landesvorsitzenden der Berliner SPD, vor: „Ich bin mit dem geschäftsführenden Kreisvorstand der SPD Berlin-Mitte einer Meinung, dass Uta Francisco Dos Santos nicht mehr für das Amt der Bezirksbürgermeisterin kandidieren kann. Die Aufstellung einer neuen Kandidatur muss nun zügig geklärt werden.“

SPD-Kreisvorsitzende hatten keine Kenntnis

Dos Santos war durch einen Bericht der B.Z. massiv in die Kritik geraten. Dem Medium zufolge war sie sei seit Mitte 2024 nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz in der Senatsfinanzverwaltung erschienen. Sie sei offiziell krankgemeldet gewesen, habe aber gleichzeitig im Wahlkampf für die SPD gemacht.

Die Kreisvorsitzenden gaben an, über die Dienstunfähigkeit ihrer Kandidatin keine Kenntnis gehabt zu haben. Die Berichterstattung über ihre gesundheitliche und berufliche Situation habe die Verantwortlichen „überrascht“. Man habe „großen Respekt“ davor, dass Dos Santos sich zurück in den Alltag gekämpft habe. Gleichzeitig kritisieren die Vorsitzenden den „bislang nicht transparenten Umgang“ mit ihrer Situation.

Laut Tagesspiegel und B.Z. wird Dos Santos die Entscheidung der Partei akzeptieren und ihre Kandidatur zurückziehen. Die Berliner Morgenpost widerspricht diesen Berichten und zitiert die Betroffene, die demnach um ihre Kandidatur kämpfen will.

Dos Santos wehrt sich und verweist auf Freistellung

Gegenüber der Berliner Zeitung widersprach Dos Santos den Vorwürfen am Donnerstag: „Im Sommer 2024 erlitt ich durch einen Sportunfall eine schwere Verletzung, die eine längere Krankschreibung nach sich zog“.

Als sie nach ihrer Genesung an den Arbeitsplatz zurückkehren wollte, sei es zu einer für sie völlig unerwarteten Wendung gekommen. „Mir wurde von meinem Arbeitgeber – der Senatsverwaltung für Finanzen – mitgeteilt, dass meine Rückkehr auf meine bisherige Position als Leiterin des Gremienreferates beim Berliner Finanzsenator nicht erwünscht sei“, so Dos Santos wörtlich. Daraufhin sei sie „ohne Angabe von Gründen gegen meinen Willen von meiner Tätigkeit freigestellt“ worden. Von „Arbeit schwänzen“ könne also keine Rede sein – vielmehr sei sie vom Dienst ferngehalten worden.

Der Konflikt mit der Behörde habe unter anderem zu einer psychischen Erkrankung geführt. „Trotz dieser Situation habe ich mich aktiv um meine Genesung bemüht. Dabei hat mir insbesondere mein ehrenamtliches Engagement Kraft und Stabilität gegeben. In diesem Rahmen erfolgte auch meine Kandidatur für die Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Mitte.“

Am Donnerstag teilte Dos Santos noch mit, dass sie sich aktiv um eine Rückkehr in ihr reguläres Arbeitsverhältnis bemühe. Ihre Krankschreibung ende am 13. April, danach werde sie die ihr bewilligte Elternzeit nehmen. Zunächst bleibt unklar, ob sie bei der Berlin-Wahl am 20. September als Bürgermeister-Kandidatin für Berlin-Mitte auf dem Wahlzettel stehen wird.