Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, hält sinkende Krankenkassenbeiträge für realistisch – vorausgesetzt, die Bundesregierung setzt die Sparvorschläge einer von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzten Expertenkommission konsequent um.
„Wenn man alles nimmt, könnte der Beitragssatz sinken. Es ist aber nicht klar, ob die Regierungskoalition auch die Kraft hat“, sagte Reimann der Bild-Zeitung.
Ausgaben für Gesundheit erreichen Rekordniveau
Die Aussage fällt in eine Zeit, in der die Gesundheitsausgaben in Deutschland ein Rekordniveau erreicht haben. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, gaben die Deutschen im Jahr 2024 insgesamt 538,2 Milliarden Euro für Gesundheit aus – ein Anstieg von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Pro Kopf entspricht das 6444 Euro. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt kletterte auf 12,4 Prozent. Bereits für 2025 prognostiziert die Statistikbehörde einen weiteren Sprung auf geschätzt 579,5 Milliarden Euro.
Die gesetzliche Krankenversicherung trägt mit 300,8 Milliarden Euro den mit Abstand größten Anteil – rund 56 Prozent der Gesamtausgaben. Den gesetzlichen Kassen wird nach aktuellen Prognosen ein Finanzdefizit von über 40 Milliarden Euro im Jahr 2030 vorhergesagt. Allein im kommenden Jahr fehlen laut Bild bereits 15 Milliarden Euro.
Die AOK-Chefin betonte, eine zusätzliche Belastung der Versicherten sei nicht nötig, wenn die Politik vor allem die Ausgaben bei Krankenhäusern, Arztpraxen und Arzneimitteln begrenze. Die Versicherten hätten mit den bereits gestiegenen Beitragssätzen „ihren Beitrag geleistet“.
Die Expertenkommission hatte am vergangenen Montag 66 Empfehlungen zur Stabilisierung der Beitragssätze ab 2027 vorgelegt. Das größte Einsparpotenzial sieht das Gremium bei Ärzten, Krankenhäusern und der Pharmaindustrie – etwa durch eine strikte Deckelung der Vergütung. Zu den Vorschlägen gehören aber auch das Ende der beitragsfreien Mitversicherung für Ehepartner und höhere Zuzahlungen bei Medikamenten.


