In Berliner Gefängnissen wächst der Anteil älterer Inhaftierter spürbar. Derzeit sitzen 134 Strafgefangene über 60 Jahre in den Haftanstalten der Hauptstadt ein, darunter sechs Frauen. Das teilte die Senatsjustizverwaltung mit (Stand: 31. Januar). Hinzu kommen vor allem noch 20 Ü60-Straftäter in der Sicherungsverwahrung in Tegel.
Der Seniorenanteil an der Gesamtzahl der Inhaftierten hat sich in den vergangenen zehn Jahren von vier auf 6,5 Prozent erhöht. Die Tendenz zeigt weiter nach oben.
Ein Großteil der verurteilten Straftäter über 60 befindet sich laut einer Justizsprecherin im offenen Vollzug. Dieser verfügt an zwei Standorten über Stationen, die auf die Unterbringung älterer Menschen eingestellt sind. Spezielle Pflegeabteilungen existieren in den Berliner Haftanstalten bislang nicht. Pflegebedürftige Gefangene können im Justizvollzugskrankenhaus untergebracht werden. Für eine dauerhafte Pflege sei dieses aber nicht ausgerichtet.
Im Zuge geplanter Sanierungsarbeiten im geschlossenen Männervollzug soll jedoch eine Station für ältere und pflegebedürftige Inhaftierte entstehen. Auch für den Erweiterungsbau der Sicherungsverwahrung ist eine solche Station vorgesehen.
Andere Bundesländer bereits weiter
Auch außerhalb Berlins reagiert die Justiz auf den demografischen Wandel hinter Gittern. In Brandenburg gibt es in der Vollzugsanstalt Brandenburg an der Havel eine Abteilung mit neun Haftplätzen für ältere Gefangene.
In Rheinland-Pfalz wurde im Januar in der JVA Wittlich eine neue Pflegeabteilung eröffnet, in der Häftlinge mit Pflegestufe größere Räume, Pflegebetten und barrierefreie Badezimmer erhalten. Sachsen und Nordrhein-Westfalen unterhalten ebenfalls eigene Abteilungen für Inhaftierte ab 60 Jahren.


