Ausfall von Elektronik

Russland: Chinesische Premium-SUVs fallen reihenweise aus

Elektronikprobleme und blockierte Systeme sollen chinesische Modelle in Russlands Winter lahmlegen. Einige Fahrzeuge hätten sich während der Fahrt ausgeschaltet.

Moskau: Ein Exeed TXL im Schnee
Moskau: Ein Exeed TXL im SchneeDepositphotos/imago

Russische Regional- und Fachmedien berichten über gehäufte Ausfälle chinesischer SUVs bei extremen Minusgraden. Fahrer schildern demnach Probleme mit Elektronik, blockierten Türen sowie Sicherheits- und Assistenzsystemen, die sich während der Fahrt abschalten. Offizielle Bestätigungen von Herstellern oder Behörden liegen bislang nicht vor. Im Netz gibt es aber immer mehr Berichte darüber.

Elektronik und Sicherheitssysteme versagen bei Frost

Nach Angaben des Regionalportals hibiny.ru häufen sich Beschwerden aus dem Norden Russlands, wo Fahrzeuge chinesischer Hersteller bei starkem Frost liegen geblieben sein sollen. Genannt werden Fehlermeldungen der Bordelektronik, eingefrorene Türmechanismen sowie ausfahrbare Trittbretter, die ihre Funktion verloren hätten. In einzelnen Fällen sei das Weiterfahren für mehrere Stunden nicht möglich gewesen.

Auch das russische Autoportal Carexpo berichtete, mehrere chinesische Modelle hätten den „Test des russischen Winters“ nicht bestanden. In einer Analyse wird kritisiert, dass elektronische Systeme bei Schnee und tiefen Temperaturen unzuverlässig arbeiteten und Fahrzeuge konstruktiv nicht ausreichend auf extreme klimatische Bedingungen ausgelegt seien.

Exeed, Geely, Haval, Chery und Changan betroffen

In den Berichten werden vor allem SUV- und Crossover-Modelle chinesischer Hersteller erwähnt, die in Russland zuletzt stark an Marktanteilen gewonnen haben. Genannt werden unter anderem Fahrzeuge der Marken Exeed, Geely, Haval, Chery und Changan.

Besonders häufig tauchen demnach die Modelle Exeed TXL und Exeed VX auf. Fahrer berichten über Ausfälle von Assistenz- und Sicherheitssystemen sowie über Fehlfunktionen der Elektronik bei starkem Frost. Bei Geely Monjaro und Geely Atlas sollen Probleme mit Türen und mechanischen Bauteilen aufgetreten sein.

Weitere Berichte betreffen Haval F7 und Haval M6 sowie Fahrzeuge der Chery-Tiggo-Reihe, bei denen nach Angaben von Nutzern die Zentralverriegelung bei Kälte eingefroren sei. Auch der Changan CS55 wird in Zusammenhang mit ungewöhnlichen Geräuschen und Funktionsstörungen bei winterlichen Bedingungen genannt.

Debatte reicht bis nach China

Die Berichte stützen sich überwiegend auf Fahrerangaben, Werkstattberichte und Auswertungen von Online-Foren. Systematische Untersuchungen oder Rückrufaktionen sind bislang nicht bekannt. Große staatliche russische Nachrichtenagenturen haben die Vorwürfe bisher nicht aufgegriffen.

Das Thema wird inzwischen auch in chinesischsprachigen Medien diskutiert. Dort wird auf russische Berichte verwiesen und zugleich betont, dass extreme klimatische Bedingungen besondere Anforderungen an Fahrzeuge stellten. Teilweise wird eingeräumt, dass Modelle für Märkte mit langanhaltenden Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt stärker angepasst werden müssten.

Chinesische Hersteller haben in Russland nach dem Rückzug westlicher Marken eine zentrale Rolle übernommen. Ob die aktuellen Berichte auf Einzelfälle, bestimmte Modellreihen oder grundsätzliche Schwächen zurückzuführen sind, bleibt offen.