Das russisch-orthodoxe Weihnachtsfest, das nach dem julianischen Kalender traditionell am 6. und 7. Januar gefeiert wird, steht in diesem Jahr ganz im Zeichen des Ukraine-Krieges. Während der russische Präsident Wladimir Putin vor drei Jahren zu einer Feuerpause über die Feiertage aufrief, lehnte die ukrainische Führung den Vorschlag ab. Nun will Kiew offenbar sogar in die Offensive gehen.
Video das Geheimdienstes SPO ist von einer Überraschung zum neuen Jahr die Rede. Das Video zeigt einen Truck-Konvoi mit der Aufschrift „SBU“. Im Hintergrund istd ie die Kertsch-Brücke zwischen Russland und der Krim zu sehen.
Wird es dort zum Angriff kommen? Und wie wird sich der Konflikt um das orthodoxe Weihnachtsfest herum entwickeln?
Orthodoxes Weihnachtsfest spaltet Gläubige
Das orthodoxe Weihnachtsfest steht sinnbildlich für die Spaltung, die der Krieg auch unter den Gläubigen verursacht hat. Aus Protest gegen die russische Aggression haben einige ukrainische Kirchen Weihnachten auf den 25. Dezember vorgezogen. Laut einer Umfrage unterstützt fast die Hälfte der Ukrainer diese Verlegung, im Vorjahr waren es nur 26 Prozent.
Die ukrainisch-orthodoxe Kirche gehörte lange zum Moskauer Patriarchat, sagte sich nach dem russischen Überfall aber von Moskau los. Dennoch wird ihr von vielen noch eine Nähe zu Russland vorgeworfen. Der ukrainische Geheimdienst SBU ermittelt gegen zahlreiche Priester wegen Spionage und Unterstützung der Besatzer.
Die Orthodoxe Kirche der Ukraine feiert dagegen weiterhin am 7. Januar. Für diejenigen, die nicht wechseln wollen, werde es Gottesdienste an beiden Tagen geben, erklärte ein Sprecher. Es werde aber noch Jahre dauern, bis sich die Feiern am 25. Dezember durchgesetzt hätten. Viele Gläubige betonen, dass nicht das Datum, sondern das Ereignis der Geburt Christi im Mittelpunkt stehen sollte.
Hintergrund: Kalenderunterschiede führten zur Verschiebung
Die Feier am 7. Januar geht auf den Kalenderunterschied zwischen dem im Westen gebräuchlichen Gregorianischen Kalender und dem in den orthodoxen Kirchen verwendeten Julianischen Kalender zurück. Dieser liegt 13 Tage hinter dem Gregorianischen zurück. Während die Bolschewiki 1918 in Russland den neuen Kalender einführten, hielt die orthodoxe Kirche am alten fest.
In Russland ist Weihnachten nach Ostern das zweitwichtigste religiöse Fest. Zu Sowjetzeiten war es verboten, erst seit dem Ende der UdSSR wird wieder offen gefeiert. Dabei vermischen sich bei vielen die christlichen Bräuche mit den Neujahrstraditionen wie dem Besuch von „Väterchen Frost“.
Trotz des Krieges hält ein Großteil der Menschen in der Ukraine an den gewohnten Weihnachtstraditionen fest, wenn auch oft unter schwierigen Bedingungen. Viele Familien sind durch Front und Flucht getrennt. Doch das Fest bietet auch Gelegenheit, für einige Tage die Sorgen und Nöte des Kriegsalltags hinter sich zu lassen und Kraft zu schöpfen – in der Hoffnung auf ein baldiges Ende der Kämpfe und eine friedliche Zukunft.
