Arbeitsalltag

Weniger Homeoffice: Arbeitnehmer fühlen sich kontrolliert, die Zufriedenheit sinkt

Eine WSI-Studie zeigt: Der Homeoffice-Rückruf senkt die Jobzufriedenheit, besonders bei Müttern. Viele Beschäftigte vermuten fehlendes Vertrauen als Motiv.

Für viele Arbeitnehmer ist die Rückkehr ins Büro mit Nachteilen Verbunden. (Symbolbild)
Für viele Arbeitnehmer ist die Rückkehr ins Büro mit Nachteilen Verbunden. (Symbolbild)Celine Frohnapfel/dpa

Eine neue Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat ergeben, dass die verpflichtende Rückkehr aus dem Homeoffice die Jobzufriedenheit der Beschäftigten senkt und ihr Belastungsgefühl erhöht – besonders bei Müttern und Beschäftigten ohne Führungsposition.

Mehr als ein Drittel der Erwerbstätigen mit Homeoffice-geeigneter Tätigkeit wurde in den vergangenen Jahren aufgefordert, wieder häufiger vor Ort zu arbeiten – im Schnitt drei Tage pro Woche. Prominente Beispiele sind Volkswagen, SAP und zuletzt Ströer. Dennoch kam rund ein Fünftel der Betroffenen der Anweisung nicht nach – die große Mehrheit von ihnen mit der Begründung, dass ihre Tätigkeit keine verstärkte Anwesenheit erfordere. Knapp ein Drittel verwies zudem auf bestehende schriftliche Homeoffice-Vereinbarungen.

Arbeitnehmer vermuten fehlendes Vertrauen

Nur rund die Hälfte der Betroffenen erhielt überhaupt eine offizielle Begründung für die Rückholaktion. Wurde keine genannt, vermuteten vier von fünf Befragten ein Kontrollinteresse des Arbeitgebers als Hauptmotiv. Insgesamt gehen knapp zwei Drittel davon aus, dass es vor allem um Überwachung geht – offiziell wurde dagegen meist der kollegiale Austausch und die Teamarbeit angeführt. Knapp ein Drittel der Beschäftigten vermutet sogar, dass die Initiative letztlich dem Stellenabbau dient.

Die Forscherinnen Yvonne Lott und Eileen Peters stellten deutliche Gruppenunterschiede fest. Führungskräfte bewerteten die Rückkehr positiver als Beschäftigte ohne Leitungsfunktion, die zudem von spürbar höherer beruflicher Belastung berichteten. Mütter waren am unzufriedensten, Väter am zufriedensten. „Diese Unterschiede lassen sich vermutlich durch die ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit erklären“, schrieben die Wissenschaftlerinnen.

WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch warnte: „Einfach die Zügel anzuziehen, im Unternehmen wie auf politischer Ebene, könnte absolut kontraproduktiv wirken. Denn das erhöht die Hürden für Erwerbstätigkeit, insbesondere von Frauen.“ Zusammen mit politischen Forderungen nach weniger Teilzeit und längeren Arbeitszeiten drohe, dass Betroffene ihre Arbeitszeit reduzieren oder ganz aus dem Beruf aussteigen.

Die Auswertung basiert auf der WSI-Erwerbspersonenbefragung von Ende 2025 mit rund 2600 Beschäftigten.