Rüstungswirtschaft

Rüstungsindustrie auf Expansionskurs: Rheinmetall wird zum maritimen Schwergewicht

Der größte deutsche Rüstungskonzern übernimmt die NVL. Damit will Rheinmetall zum Anbieter komplette Systemlösungen werden.

Rheinmetall übernimmt die NVL und steigt damit in die Produktion von Kriegsschiffen ein.
Rheinmetall übernimmt die NVL und steigt damit in die Produktion von Kriegsschiffen ein.Marcus Brandt

Deutschlands größter Rüstungskonzern Rheinmetall darf die Militärsparte Naval Vessels Lürssen (NVL) der Bremer Werftengruppe Lürssen übernehmen. Die EU-Kommission in Brüssel erteilte am Mittwoch die wettbewerbsrechtliche Genehmigung. Die Transaktion betreffe in erster Linie den Bau von Überwasserschiffen und damit verbundene Dienstleistungen im Verteidigungssektor, teilten die Wettbewerbshüter mit. Angesichts begrenzter Auswirkungen auf die Marktstruktur bestünden keine Bedenken.

Der Düsseldorfer Konzern hatte sich bereits im September 2024 mit Lürssen auf den Kauf geeinigt. Mit dem Zukauf erweitert Rheinmetall sein Portfolio um den Bau von Kriegsschiffen. „Künftig werden wir zu Lande, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum ein relevanter Akteur sein“, sagte Vorstandschef Armin Papperger.

Friedrich Lürßen, geschäftsführender Gesellschafter der Lürssen-Gruppe, erklärte, man habe mit Rheinmetall einen „vertrauensvollen und starken Partner“ gefunden. Die NVL und die Beschäftigten können so eine erfolgreiche Zukunft sichern.

Vier norddeutsche Werften wechseln den Eigentümer

Die NVL betreibt vier Werften in Deutschland – die Peene-Werft in Wolgast, Teile von Blohm+Voss sowie die Norderwerft in Hamburg und die Neue Jadewerft in Wilhelmshaven. Hinzu kommen internationale Standorte, unter anderem in Bulgarien, Kroatien und Ägypten.

Die Werftengruppe beschäftigt rund 2.100 Menschen und erwirtschaftete 2024 einen Umsatz von etwa einer Milliarde Euro. Sie gilt als führend in der Forschung und Entwicklung autonomer maritimer Überwassersysteme.

Synergien mit bestehenden Standorten von Rheinmetall

Rheinmetall verspricht sich von der Übernahme neben dem Einstieg in den Marineschiffbau auch Synergien mit der eigenen Fahrzeugproduktion in Norddeutschland, etwa an den Standorten Kiel und Flensburg. Papperger betonte, man wolle künftig komplette Systemlösungen aus einer Hand anbieten – von der Schiffsplattform über Geschütze und Sensoren bis hin zur Raketenabwehr.

Die Parteien streben den Vollzug der Übernahme für Anfang 2026 an. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Rheinmetall beschäftigt rund 40.000 Menschen und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 9,8 Milliarden Euro. Seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine hat sich der Börsenkurs des Konzerns vervielfacht.