Brasilien

Razzia in Rio: Mindestens acht Tote – Kriminelle reagieren mit Barrikaden und Bränden

Unter den Toten ist ein gesuchter Anführer des Verbrechersyndikats Comando Vermelho. Nach der Razzia legten Barrikaden, Brände und Straßensperren Teile der Stadt lahm.

Feuerwehrleute löschten in Rios Stadtteil Morro dos Prazeres einen Bus, den Kriminelle nach dem Polizeieinsatz in Brand gesetzt hatten.
Feuerwehrleute löschten in Rios Stadtteil Morro dos Prazeres einen Bus, den Kriminelle nach dem Polizeieinsatz in Brand gesetzt hatten.Silvia Izquierdo/AP

Bei einer groß angelegten Razzia der Militärpolizei in mehreren Favelas im Zentrum von Rio de Janeiro sind am Mittwoch mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. Unter den Getöteten war Cláudio Augusto dos Santos, genannt Jiló dos Prazeres, der als lokaler Anführer des Verbrechersyndikats Comando Vermelho galt, wie das brasilianische Nachrichtenportal O Dia unter Berufung auf die Polizei berichtete. Gegen ihn lagen demnach acht Haftbefehle vor.

Die Spezialeinheit BOPE der Militärpolizei führte den Einsatz in der Favela Morro dos Prazeres und angrenzenden Vierteln durch. Neben Jiló dos Prazeres wurden nach Angaben von CNN Brasil sechs weitere mutmaßliche Bandenmitglieder getötet. Zwei Polizisten erlitten Verletzungen. Die Militärpolizei ist in Brasilien eine den Bundesstaaten unterstellte, militärisch organisierte Polizeitruppe.

Bewohner stirbt im Kreuzfeuer

Während der Operation verschanzten sich Verdächtige in einem Wohnhaus und nahmen einen Bewohner als Geisel, wie O Dia am Mittwoch berichtete. Der Mann wurde von einem Schuss tödlich getroffen; laut AP geriet er ins Kreuzfeuer. Auch die mutmaßlichen Geiselnehmer kamen ums Leben.

Unmittelbar nach dem Einsatz eskalierte die Lage im Stadtteil Rio Comprido. Kriminelle setzten mindestens einen Linienbus in Brand und blockierten mit weiteren Fahrzeugen zentrale Straßen, darunter eine wichtige Zufahrt zu einem Tunnel zwischen Stadtzentrum und Südzone, wie CNN Brasil berichtete. Der Verkehr kam zeitweise zum Erliegen, Geschäfte schlossen vorzeitig.

Comando Vermelho kontrolliert zahlreiche Favelas

Das Comando Vermelho – auf Deutsch „Rotes Kommando“ – zählt zu den mächtigsten Verbrechersyndikaten Brasiliens und kontrolliert nach Angaben der Behörden mehrere Armenviertel in Rio de Janeiro, wo es vor allem im Drogenhandel und im Schutzgeldgeschäft aktiv ist.

Polizeioperationen in den Favelas der Stadt enden immer wieder tödlich. Im Oktober 2025 kamen bei einem Großeinsatz in den Favelas Penha und Alemão nach Behördenangaben insgesamt 121 Menschen ums Leben, darunter vier Polizisten. Reuters sprach von der tödlichsten Polizeioperation in der Geschichte Brasiliens.