Eine Woche nachdem die ukrainische Zeitung Ukrainska Prawda über „systematischem Druck“ von Seiten der ukrainischen Regierung geklagt hatte, folgt nun eine Reaktion aus Kiew. In einem Interview mit dem Portal Liga.net wies der Präsidentenberater Dmytro Lytvin die Anschuldigungen der Ukrainska Prawda über entsprechende Einflussversuche als „eine falsche Geschichte“ zurück.
Die Ukrainska Prawda hatte zuvor in einem Statement am 9. Oktober geschrieben: „Wir möchten Kollegen, Partner und internationale Organisationen auf den langfristigen und systematischen Druck aufmerksam machen, den das Präsidialamt auf die Redaktion und einzelne Journalisten der Ukrainska Prawda ausübt.“ Die „stabile Arbeit der Redaktion“ sei in verschiedenen Bereichen gefährdet, hieß es weiter. Die Teilnahme an Veranstaltungen durch Journalisten der Zeitung sei beispielsweise durch die Behörden eingeschränkt worden. Zudem sollen die Behörden Druck auf Werbepartner der Ukrainska Prawda ausgeübt haben, um Kooperationen zu stoppen.
Die Zeitung nahm auch Bezug auf eine hitzige öffentliche Debatte zwischen dem Prawda-Journalisten Roman Kravets und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Während dieser Interaktion habe Selenskyj die redaktionelle Unabhängigkeit des Mediums infrage gestellt.
Weiter heißt es in dem Beitrag der Prawda-Redaktion, man werde jeglichen Versuch der Einflussnahme durch das Präsidialamt öffentlich machen, was „Konsequenzen auf internationaler Ebene“ haben werde. Am Tag darauf veröffentlichte die Zeitung einen weiteren Artikel, in dem sie – ohne jedoch Quellen zu nennen – Lytvin, den ehemaligen Redenschreiber von Präsident Selenskyj, für die angebliche Kampagne verantwortlich machte. Lytvin soll dem Bericht zufolge Sicherheitskräften und Beamten die Kommunikation mit der Ukrainska Prawda verboten haben.
Dmytro Lytviyn zu Anschuldigungen: „Diese Geschichte ist sehr falsch“
„Es ist unmöglich, in dieser Geschichte eine wirksame Widerlegung vorzunehmen. Wenn man sagt, dass man etwas nicht tut, wer wird es dann glauben? Wenn so viele Leute das Gegenteil behaupten“, sagte Lytvyn nun gegenüber Liga.net. „Diese Geschichte ist sehr falsch. Sie sagen etwas Abstraktes, und Sie müssen es widerlegen, als ob es etwas Konkretes wäre“, fügte er hinzu. Lytvin behauptete, die Ukrainska Prawda habe ihn in fast drei Jahren nie um einen Kommentar gebeten.
Gegenüber Liga.net erklärte der Autor des Artikels, man habe tatsächlich kein Statement des Präsidialamtes zu dem Artikel eingefordert, nachdem die Zeitung zuvor auf eine Anfrage zu der Diskussion zwischen Selenskyj und Kravets keine Antwort erhalten habe.
Die Chefredakteurin der Ukrainska Pravda, Sevgil Musayeva, führt den Druck der Regierung gegenüber der Prawda auf die kritische Berichterstattung über die Regierung in Sachen Korruption und Fehlverhalten zurück. Gegenüber dem US-Portal Voice of America sagte sie, es gebe seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine eine geringere Toleranz gegenüber regierungskritischen Nachrichten.
Seit der russischen Invasion gibt es auch von anderer Seite immer wieder Kritik an der mangelhaften Pressefreiheit in der Ukraine. So hatte die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF) zuletzt auf einen „besorgniserregenden Rückgang“ der Pressefreiheit in der Ukraine hingewiesen. Probleme gebe es etwa bei der Unterstützung und Achtung der Medienautonomie sowie einen zunehmenden Druck seitens des Staates oder anderer politischer Akteure innerhalb der Ukraine auf die Presse.


