Sicherheit

US-Ölkonzern greift nach deutscher Energie- und Militärinfrastruktur

Die Bundesregierung genehmigte den Deal. Brisant ist ein 49-Prozent-Anteil an militärisch relevanter Pipeline-Infrastruktur.

Der deutsche Betreiber von Pipeline-Systemen wurde von einem US-Konzern aufgekauft.
Der deutsche Betreiber von Pipeline-Systemen wurde von einem US-Konzern aufgekauft.Christoph Reichwein / dpa

Der US-Ölkonzern Sunoco hat den deutschen Tanklagerbetreiber Tanquid übernommen. Tanquid betreibt Lager für Energierohstoffe sowie Pipelines für Öl und chemische Produkte. Ebenfalls gehören der Firma 49-Prozent-Anteile an den wichtigsten Kerosin-Fernleitungen für Militärflugplätze in Deutschland. Ohne diese können die Militärjets kaum betankt werden.

Das Bundeswirtschaftsministerium gab den Kauf Anfang Januar nach einer Investitionsprüfung unter Auflagen frei. Das ging heute aus Regierungsangaben hervor.

Militärisch sensible Infrastruktur in US-Hand

Besonders sensibel ist ein 49-Prozent-Anteil von Tanquid an einer Fernleitungsbetriebsgesellschaft, die laut Spiegel Kerosin für Militärflugplätze in Deutschland liefert, darunter Standorte mit zentraler Bedeutung für die Luftwaffe.

„Diese militärische Infrastruktur ist für die Einsatzfähigkeit der Luftwaffen extrem wichtig – dass sie jetzt zu 49 Prozent einem US-Unternehmen gehört, ist politisch hochbrisant“, sagte Jacopo Maria Pepe von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die USA könnten Reparaturen, zum Beispiel nach Sabotage, verzögern, wenn nicht sogar blockieren, warnte der Experte.

Eigentümer von Sunoco ist enger Verbündeter Trumps

Die übrigen 51 Prozent der Fernleitungsbetriebsgesellschaft liegen beim Bundesverteidigungsministerium. Kritiker verweisen dennoch auf die politische Dimension des Deals. Sunoco ist eine Tochter des US-Konzerns Energy Transfer, dessen Gründer und Chef Kelcy Warren als enger Verbündeter und Großspender von US-Präsident Donald Trump gilt.  Auch Greenpeace kritisiert die Genehmigung scharf und sprach von einem sicherheits- und klimapolitischen Fehler.

Welche Auflagen hat Sunoco?

Nach Medienberichten einigten sich die Unternehmen bereits im März 2025. Der Kaufpreis liegt demnach bei rund 500 Millionen Euro, hinzu kommen übernommene Schulden von etwa 300 Millionen Euro.

Die Bundesregierung betont, die Auflagen zur Freigabe stellten die durchgängige Versorgung mit Tanklagerkapazitäten sicher. Welche Bedingungen im Detail gelten, blieb jedoch offen. Ein Zwangsweiser Verkauf des Kerosin-Netzes an einen deutschen Anbieter ist wahrscheinlich nicht dabei.