Bildung

„Ganze Schulen aus dem Gleichgewicht“: Pisa-Chef über Migration und Bildung

Pisa-Chef Schleicher kritisiert fehlende Förderung für Kinder mit Migrationshintergrund. Er fordert bessere Kitas und frühzeitige Sprachtests.

Pisa-Chef Andreas Schleicher kritisiert das deutsche Bildungssystem.
Pisa-Chef Andreas Schleicher kritisiert das deutsche Bildungssystem.Jörg Carstensen/dpa

Geht es nach dem Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher, dann werden Kinder mit Migrationshintergrund vom deutschen Bildungssystem benachteiligt: „Es ist ein riesiges Problem, wenn ein Bildungssystem sich nicht ausreichend und nicht erfolgreich um Kinder mit Migrationshintergrund kümmert.“

Gegenüber der Stuttgarter Zeitung sagte Schleicher: „Und wenn dadurch ganze Schulen aus dem Gleichgewicht geraten. Das ist in Deutschland leider viel zu oft der Fall.“ Lehrkräfte bräuchten demnach viel mehr Unterstützung. Der 61-Jährige sieht die Ursachen in einer mangelnden frühkindlichen Bildung sowie in einer fehlerhaften Nutzung der vorhandenen Ressourcen im deutschen Bildungssystem.

Kitas sollen frühzeitig deutsche Sprache lehren

Schleicher zufolge sollten bereits Kindertagesstätten ihren Bildungsauftrag deutlich ausweiten. Vor allem gut ausgestattete Kitas mit einem klar definierten Bildungsauftrag seien der beste Weg, damit Jungen und Mädchen frühzeitig die deutsche Sprache lernen. Um dies zu gewährleisten, müssten frühzeitig Sprachtests und Diagnostik durchgeführt werden.

„Hier wird in Deutschland zu wenig getan“, kritisierte er. Wenn es bereits nach dem Kindergarten an sprachlichen Grundlagen fehle, werde es für die Lehrerinnen und Lehrer an der Grundschule zunehmend schwieriger. Andreas Schleicher, der unter anderem für den internationalen Schulleistungsvergleich Pisa verantwortlich ist, sagte weiter: „Natürlich kann ich Eltern verstehen, wenn sie ihre Kinder lieber auf eine Schule schicken wollen, an der es diese Probleme nicht gibt.“