Wissenschaft

Deutschlands wichtigster Philosoph: Jürgen Habermas ist tot

Der deutsche Philosoph prägte über Jahrzehnte politische und gesellschaftliche Debatten – und galt als wichtigste Stimme der kritischen Theorie nach dem Zweiten Weltkrieg.

Jürgen Habermas ist tot
Jürgen Habermas ist totArne Immanuel Bänsch/dpa

Der deutsche Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Er starb am Samstag in Starnberg, wie der Suhrkamp Verlag unter Berufung auf seine Familie mitteilte.

Habermas galt als wichtigster deutscher Philosoph der Gegenwart und genoss weltweit Anerkennung. Als Vertreter der zweiten Generation der Frankfurter Schule prägte er mit seinen Arbeiten über Öffentlichkeit, Demokratie und Kommunikation über Jahrzehnte hinweg wissenschaftliche und politische Debatten.

Bekannt wurde er 1962 mit seiner Habilitationsschrift „Strukturwandel der Öffentlichkeit“, in der er die Entstehung der bürgerlichen Öffentlichkeit analysierte. Große Aufmerksamkeit fand seine Arbeit auch bei der Studentenbewegung der späten 1960er Jahre – von deren radikalen Teilen er sich jedoch bald distanzierte.

Habermas: Philosophie als öffentliche Aufgabe

Habermas verstand Philosophie stets auch als öffentliche Aufgabe. „Öffentliches Engagement ist die wichtigere Aufgabe der Philosophie“, sagte er einmal. Entsprechend meldete er sich immer wieder zu politischen Fragen zu Wort – etwa zum Kosovo-Krieg, zur europäischen Integration oder zuletzt zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Auch in historischen Debatten spielte er eine wichtige Rolle. 1986 gehörte er zu den zentralen Stimmen im sogenannten Historikerstreit, in dem er die historische Einzigartigkeit des Holocaust gegen Relativierungsversuche verteidigte.

Geboren wurde Habermas 1929 in Düsseldorf, aufgewachsen ist er in Gummersbach. 1949 begann er ein Philosophiestudium in Göttingen. Seine akademische Laufbahn führte ihn unter anderem nach Marburg, Heidelberg und Frankfurt am Main, wo er lange lehrte. Zuletzt lebte er am Starnberger See – und meldete sich von dort bis ins hohe Alter regelmäßig in politischen Debatten zu Wort.