Verbrechen

Pflege-Skandal weitet sich aus: Verdacht auf mehr als 100 weitere Todesfälle

Ein Ex-Pfleger könnte für mehr Todesfälle verantwortlich sein als bislang bekannt. Die Staatsanwaltschaft spricht von über 100 Verdachtsfällen. Exhumierung von Leichen angeordnet.

Ein ehemaliger Pfleger wird verdächtigt, weitere 100 Menschen ermordet zu haben.
Ein ehemaliger Pfleger wird verdächtigt, weitere 100 Menschen ermordet zu haben.dpa

Ein ehemaliger Pfleger, der bereits wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, steht im Verdacht, deutlich mehr Menschen getötet zu haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Aachen liegen die Verdachtsfälle im laufenden Verfahren „derzeit deutlich über 100“.

Der Mann war im Dezember vom Landgericht Aachen wegen zehnfachen Mordes und vielfachen Mordversuchs zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Haftentlassung ist damit ausgeschlossen.

Staatsanwaltschaft ermittelt zu früheren Jahren

Die bislang abgeurteilten Taten betrafen einen Zeitraum von Ende 2023 bis Frühjahr 2024. Die neuen Ermittlungen beziehen sich nun auf mögliche Fälle aus dem Jahr 2022 und davor. Der Ex-Pfleger hatte seit 2020 in einer Klinik in Würselen gearbeitet. Nach Überzeugung der Ermittler soll er Patienten eigenmächtig überhöhte Mengen an Beruhigungs- und Schmerzmitteln verabreicht haben.

Um die Vorwürfe zu prüfen, haben die Behörden umfangreiche Exhumierungen angeordnet. Nach Angaben der Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts habe es bereits 27 Exhumierungen im Zusammenhang mit den neuen Vorwürfen gegeben. Etwa 30 stünden noch aus. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Aufarbeitung noch Jahre dauern könnte. (mit dpa)