Der vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns gestrandete Buckelwal hat sich am Montagmorgen erstmals seit Wochen über längere Strecken bewegt. Kurze Zeit später blieb „Timmy“ jedoch erneut in flachem Wasser stecken. Nach Angaben aus dem Schweriner Umweltministerium legte das Tier mehrere Kilometer zurück, bevor es wieder stoppte.
Auf Livestreams war zu sehen, wie „Timmy“ gegen 7.05 Uhr zu schwimmen begann. Zunächst bewegte sich der Wal hin und her, dann wurde er von Booten aus in Richtung offene Ostsee geleitet. Nach rund zwei Stunden kam er jedoch wieder zum Stillstand – offenbar im Bereich der Kirchsee vor der Insel Poel.
Mehrere Kilometer zurückgelegt – dann wieder fest
Nach Angaben des Umweltministeriums legte der Wal am Morgen etwa drei bis fünf Kilometer zurück. Am Vormittag deuteten Livestreams darauf hin, dass das Tier nahe von Fahrwassertonnen erneut auf Grund lag. Helfer gingen jedoch davon aus, dass sich der Wal grundsätzlich noch bewegen kann. Sollte sich die Gelegenheit bieten, soll das Tier mit einem Sender versehen werden, um es auch bei längeren Tauchphasen orten zu können.
Flaches Wasser erschwert den Weg ins offene Meer
Nach Angaben des Umweltministeriums ist der Ausgang der Kirchsee stellenweise sehr flach. Der Wal müsse einen Bogen schwimmen, um in tiefere Bereiche zu gelangen. Das Fahrwasser sei etwa zweieinhalb bis drei Meter tief, während große Teile der Bucht nur zwischen 90 Zentimeter und 1,10 Meter Wassertiefe aufweisen. Erst in der anschließenden Wismarbucht gibt es mit mehr als neun Metern ausreichend tiefes Wasser. Von dort müsste der Wal weiter in die Ostsee gelangen.

Wetter half – Bewegung mit hoher Geschwindigkeit
Zuvor hatte sich die Lage durch veränderte Bedingungen verbessert. Der Wasserstand sei um 60 bis 70 Zentimeter gestiegen, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. „Manchmal gibt es plötzlich eine Chance“, sagte er. „Unsere Strategie geht ja doch auf.“
Der Wal bewegte sich zeitweise mit fünf bis sieben Knoten, also etwa 9 bis 13 Kilometer pro Stunde. Begleitet von Booten schwamm er zunächst mehrfach hin und her, bevor er sich zeitweise in Richtung offene See orientierte.
Stress für „Timmy“
Naturschützer sehen die Situation kritisch. Nach Einschätzung der Organisation Greenpeace bedeutet das Hin und Her für den Wal eine erhebliche Belastung. „Das ist natürlich ein Megastress für das Tier“, sagte ein Sprecher. Der Meeressäuger sei über Jahre ohne Kontakt zu Menschen ausgekommen und werde nun von Booten begleitet und Motorengeräuschen ausgesetzt. Zudem könne Erschöpfung oder Orientierungslosigkeit eine Rolle spielen.
Rettungspläne durchkreuzt
Der unerwartete Aufbruch am Morgen veränderte die ursprünglichen Pläne der Helfer. Geplant war, den rund zwölf Meter langen Wal mithilfe einer zwischen Pontons befestigten Plane aus dem flachen Bereich zu bergen und in Richtung Nordsee zu ziehen. Für den Fall, dass sich das Tier selbst bewegt, hatten die Helfer einen alternativen Plan vorbereitet. „Die DLRG-Boote sind auf Stand-by, dass wir ihn dann guiden können“, sagte die Anwältin Constanze von der Meden laut dpa.
Ein Unterstützer der Aktion, der Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, zeigte sich ernüchtert. „Jetzt ist das aus der Bahn gelaufen alles“, sagte er der dpa. Man könne nur hoffen, dass die Begleitung gelingt.
Umweltminister Backhaus kündigte an, den weiteren Verlauf eng zu verfolgen. „Ich begleite den Wal bis zum Ende. Ob lebend oder auch tot“, sagte er.
Seit Wochen in der Ostsee unterwegs
Der Buckelwal hält sich seit Anfang März in der Ostsee auf. Erste Sichtungen gab es im Hafen von Wismar, später auch in der Lübecker Bucht und vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Dabei verfing sich das Tier mehrfach in Netzen.
Am 23. März strandete der Wal erstmals auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand, konnte sich jedoch befreien. Wenige Tage später lag er erneut fest. Seit dem 31. März sitzt er in der Kirchsee-Bucht vor Poel.


