Der Buckelwal, der seit Tagen die Einsatzkräfte an der Ostseeküste in Atem hält, ist nach seiner nächtlichen Befreiung vor Timmendorfer Strand erneut gestrandet. Das Tier liegt nun auf einer Sandbank in der Wismarer Bucht, wie eine Greenpeace-Sprecherin gegenüber der Deutschen Presseagentur bestätigte. Bereits am Vormittag hatten Zeugen dort Sichtungen des Meeressäugers gemeldet.
Ein Sprecher des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommern gab an, es wurde am Nachmittag geprüft, ob der Wal womöglich erneut feststeckt. „Der Wal hat seit längerer Zeit seine Position im flachen Wasser der Wismarbucht nicht verändert“, sagte der Ministeriumssprecher. Wissenschaftler näherten sich dem Tier in einem Schlauchboot, um seine Lage zu ermitteln.
Der etwa zwölf bis 15 Meter lange Buckelwal war in der Nacht zum Montag erstmals auf einer Sandbank vor Niendorf bei Timmendorfer Strand entdeckt worden. Seitdem kämpften Einsatzkräfte mit schwerem Gerät um das Leben des Tieres. In der Nacht auf Freitag hatte sich der Wal schließlich aus eigener Kraft befreit – nur um nun wenig später erneut festzusitzen.
Tagelange Rettungsaktion mit Baggern und künstlicher Fahrrinne
Die Bemühungen, das Tier von der Sandbank vor Timmendorfer Strand zu lösen, gestalteten sich bereits äußerst schwierig. Ein erster Versuch mit einem Saugbagger war am Dienstag gescheitert. Am Donnerstag setzten die Helfer dann auf eine andere Strategie: Ein schwimmender Schaufelbagger zog eine Rinne im Wasser, durch die der Wal in tieferes Gebiet gelangen sollte. Ein zweiter Bagger arbeitete sich vom Strand aus vor und errichtete einen Damm, um näher an das Tier heranzukommen.
Die Arbeiten dauerten bis in die Dunkelheit, teils unter Scheinwerferlicht. Gegen 20.30 Uhr musste der Einsatz jedoch unterbrochen werden, da die Bedingungen zu gefährlich wurden. In der Nacht schwamm sich das Tier selbstständig frei.
Biologen vermuten Erkrankung des Tieres
Fachleute des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung äußerten zuvor Zweifel an den Überlebenschancen des Wals. Die Biologin Stephanie Groß erklärte, der Hautzustand des Tieres deute darauf hin, dass es krank sei. Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maac gab in einem Interview mit der Tagesschau an, dass sich „die Oberhaut in großen Placken“ ablöse: „Die Unterhaut ist sichtbar“. Zwar erschwere das flache Wasser die Rettung, die Sandbank in der Wismarer Bucht sei „aber glücklicherweise tiefer als in Niendorf, sodass wir hoffen, dass er sich selber freischwimmen kann“, so der Biologe.
Der Buckelwal war in den vergangenen Wochen bereits mehrfach in der Region aufgefallen. Er wurde unter anderem im Wismarer Hafen und vor Travemünde gesichtet. Dort hatten Helfer ihn von Netzresten befreit, die sich um seinen Körper gewickelt hatten.
„Meine Hoffnung, dass der Wal auf Nahrungssuche den Fischschwärmen folgt und seinen Weg zurück in die Nordsee und den Atlantik findet, wurde leider bisher leider nicht erfüllt“, erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus.
„Ich bitte darum, das sicher geschwächte und gestresste Tier möglichst in Ruhe zu lassen, damit sich sein Zustand nicht weiter verschlechtert“, so der Minister. Fachleute vor Ort würden nun „der Situation angepasst entscheiden, was zu tun ist“.

