Energiemärkte

Ölpreis weiter über 100 Dollar: Brent legt nach Zwischenfällen am Persischen Golf zu

Neue Zwischenfälle am Persischen Golf belasten weiter die Energiemärkte. US-Präsident Donald Trump dämpft Erwartungen an eine schnelle Entspannung.

Kursanzeigen auf dem Parkett der New Yorker Börse
Kursanzeigen auf dem Parkett der New Yorker BörseMichael M. Santiago/AFP

Die Ölpreise sind am Freitag erneut gestiegen, nachdem der Iran ein Video veröffentlicht hatte, das Soldaten beim Entern eines Frachtschiffs in der Straße von Hormus zeigt. Zudem hatte die iranische Luftabwehr nach Berichten der Nachrichtenagentur Reuters „feindliche Ziele“ über Teheran beschossen.

Die Nordseesorte Brent legte laut Reuters um 0,94 Prozent auf 106,06 US-Dollar je Barrel zu, die US-Sorte WTI um 0,73 Prozent auf 96,56 Dollar. Im Wochenvergleich stieg Brent um 17,13 Prozent, WTI um 15,13 Prozent – der zweitstärkste Wochenanstieg seit Beginn des Krieges.

Auch der europäische Erdgaspreis zog an. Am niederländischen Handelsplatz TTF stieg der europäische Richtwert für Erdgas laut den Marktdaten von Trading Economics am 24. April auf 45,20 Euro je Megawattstunde. Das ist ein Plus von 1,57 Prozent gegenüber dem Vortag. Im Jahresvergleich liegt der Preis damit rund 39 Prozent höher.

Trump dämpft Erwartungen an schnelle Entspannung

Hintergrund ist der seit Ende Februar laufende Krieg der USA und Israels gegen Iran. Nach der Schließung der Straße von Hormus, einer Meerenge, durch die normalerweise rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen verschifft wird, sind diese Lieferungen blockiert. Eine Waffenruhe gilt seit gut zwei Wochen, wirkt aber brüchig.

Der chinesische Marktdienst Haitong Futures sieht in der Feuerpause laut Reuters zunehmend eine Vorbereitung auf weitere Kämpfe. Sollten die Gespräche zwischen Washington und Teheran bis Ende April scheitern, seien neue Jahreshöchststände beim Ölpreis möglich.

US-Präsident Donald Trump erklärte gegenüber Journalisten am Donnerstag laut Reuters, die US-Amerikaner müssten „noch eine Weile“ mit höheren Benzinpreisen rechnen. Auf die Frage nach einem Zeitplan für ein dauerhaftes Abkommen mit Iran sagte er: „Drängt mich nicht.“

Regierungen federn Folgen ab

Regierungen weltweit versuchen laut einer Reuters-Übersicht vom 22. April, Haushalte und Unternehmen zu entlasten. Die Niederlande beschlossen befristete Steuererleichterungen auf Kraftstoffe, Schweden senkt die Mineralölsteuer und erhöht Stromzuschüsse. Italien prüft niedrigere Verbrauchsteuern und eine Sondersteuer auf Krisengewinne von Energiekonzernen, Griechenland kündigte Hilfen für Haushalte und Landwirte in Höhe von 500 Millionen Euro an. Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union riefen laut Reuters zu vorübergehenden Maßnahmen auf, darunter geringere Stromsteuern und niedrigere Netzentgelte.

Sollten die Lieferunterbrechungen am Persischen Golf andauern, könnten die weltweiten Lagerbestände an Rohöl und Kraftstoffen laut Mingyu Gao vom Analysehaus China Futures bis Ende Mai oder Anfang Juni unter die saisonalen Tiefststände der vergangenen fünf Jahre fallen.