Norwegen und die EU-Kommission haben am Donnerstag das Beitrittsabkommen zum EU-Programm Secure Connectivity unterzeichnet. Damit soll das Land Zugang zu den EU-Systemen für sichere Satellitenkommunikation erhalten, wie das norwegische Handelsministerium mitteilte.
Konkret geht es um den Dienst GOVSATCOM und das geplante System IRIS². GOVSATCOM stellt staatlichen Nutzern gesicherte Verbindungen bereit, etwa für Krisenmanagement oder Grenzüberwachung. IRIS² ist das im Aufbau befindliche Netz aus mehreren Satelliten, das künftig eine eigenständige europäische Infrastruktur für verschlüsselte Regierungskommunikation und schnellen Internetzugang bieten soll.
Der Schritt hat auch einen sicherheitspolitischen Hintergrund. Die norwegische Kommunikationsbehörde Nkom registriert seit längerer Zeit GPS-Störungen im Luftraum über Ost-Finnmark nahe der Grenze zu Russland. Im Juni 2025 meldete die Behörde dort zudem Spoofing, also manipulierte GPS-Signale, bis in niedrige Höhen über Sor-Varanger. In ihrer Risikoanalyse schrieb Nkom außerdem, die Störungen und Falschsignale hätten zugenommen.
Für Norwegen ist sichere Satellitenkommunikation damit keine abstrakte Raumfahrtfrage. Sie betrifft Navigation, Behördenfunk und Krisenreaktion in einem strategisch sensiblen Grenzraum.
Der norwegische Inlandsgeheimdienst PST warnt in seiner Bedrohungsanalyse 2026 zudem, Russland könne Sabotage gegen Ziele in Norwegen als nützlich ansehen. PST schreibt, Russland spähe kritische Infrastruktur aus und nutze im Hohen Norden und in der Arktis ein breites Spektrum von Methoden, darunter Sabotage und Aufklärung über zivile Schiffe. Derartige Geheimdienstinformationen lassen sich unabhängig nicht überprüfen.
Auch Island schließt sich an
Die EU-Kommission teilte mit, dass zeitgleich ein entsprechendes Abkommen mit Island geschlossen wurde und ordnete beide Vereinbarungen als Ausbau der Weltraumkooperation ein. Der offizielle Copernicus-EU-Account zum Erdbeobachtungsprogramm der EU griff den Beitritt der beiden nordischen Länder auf X auf.
From snow-covered Oslo to volcanic Iceland, Copernicus Sentinel-2 captures the striking contrasts of Nordic landscapes ❄️🌋
— Copernicus EU (@CopernicusEU) March 26, 2026
Today, the EU signed an agreement with Norway & Iceland to join GOVSATCOM and IRIS² strengthening cooperation in secure connectivity 🛰️🛡️#EUSpace pic.twitter.com/A6qv4JsRJJ
Auch für Island hat der neue Schritt einen Sicherheitsbezug. Die isländische Cybersicherheitsstelle CERT-IS und der Zivilschutz Almannavarnir ließen am 28. Januar 2025 in einer Großübung durchspielen, was geschieht, wenn nacheinander erst fast alle und dann alle Unterseekabel des Landes ausfallen.
Im letzten Schritt ging es ausdrücklich um Satellitenlösungen, die Priorisierung knapper Bandbreite und den langfristigen Notbetrieb. Das zeigt, wie zentral ausfallsichere Verbindungen für einen Inselstaat sind, der digital stark an wenige Leitungen gebunden ist.
Das norwegische Ministerium für Handel und Fischerei erklärte, Norwegen werde durch die Vereinbarung enger an die europäische Raumfahrtzusammenarbeit angebunden. Bevor die Vereinbarung wirksam wird, muss noch das norwegische Parlament zustimmen.


