Forschung

Neue Studie: Vegetarische Ernährung senkt das Risiko für fünf Krebsarten

Eine Oxford-Studie mit 1,8 Millionen Teilnehmern zeigt: Vegetarier erkranken seltener an bestimmten Krebsarten. Doch es gibt auch einen Haken.

Kochen mit viel Gemüse: Vegetarier erkranken seltener an bestimmten Krebsarten.
Kochen mit viel Gemüse: Vegetarier erkranken seltener an bestimmten Krebsarten.Westend61/imago

Vegetarier haben ein geringeres Risiko, an fünf bestimmten Krebsarten zu erkranken. Das zeigt die bislang umfangreichste Untersuchung zum Zusammenhang zwischen fleischfreier Ernährung und Krebs, die am Freitag im Fachjournal British Journal of Cancer veröffentlicht wurde. Gleichzeitig offenbart die Studie auch Risiken vegetarischer Ernährung im Zusammenhang mit der Krankheit.

Forscherinnen und Forscher der Universität Oxford werteten im Rahmen des „Cancer Risk in Vegetarians Consortium“ Daten von mehr als 1,8 Millionen Menschen aus neun Langzeitstudien in vier Ländern aus – darunter Großbritannien, die USA, Taiwan und Indien. Die Teilnehmer wurden im Schnitt 16 Jahre lang begleitet. Die Studie wurde vom World Cancer Research Fund finanziert.

Die Ergebnisse zeigen laut den Wissenschaftlern: Vegetarier hatten im Vergleich zu Fleischessern ein um 21 Prozent niedrigeres Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs, ein um 9 Prozent niedrigeres Brustkrebsrisiko, ein um 12 Prozent geringeres Prostatakrebsrisiko, ein um 28 Prozent niedrigeres Nierenkrebsrisiko und ein um 31 Prozent geringeres Risiko für das Multiple Myelom – eine Krebserkrankung des Knochenmarks.

Allerdings hatten Vegetarier ein fast doppelt so hohes Risiko für das sogenannte Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre. Die Forscher vermuten, dass ein Mangel an B-Vitaminen und Zink dahinterstecken könnte – Nährstoffe, die vor allem in tierischen Lebensmitteln vorkommen.

Höheres Darmkrebsrisiko bei Veganern

Veganer wiesen zudem ein um 40 Prozent erhöhtes Darmkrebsrisiko auf. Dieses Ergebnis basiere allerdings auf nur 93 Fällen und ist daher mit Vorsicht zu interpretieren, wie die Autoren selbst schreiben. Eine mögliche Erklärung: Veganer nehmen keinerlei Milchprodukte zu sich und haben dadurch oft eine niedrige Kalziumzufuhr – im Median nur 590 Milligramm pro Tag, und damit unterhalb der britischen Empfehlung von 700 Milligramm.

Tim Key, emeritierter Professor für Epidemiologie an der Universität Oxford und Co-Autor der Studie, sagte gegenüber der BBC: „Mein Gefühl ist, dass die Unterschiede eher mit dem Fleisch selbst zusammenhängen als damit, dass Vegetarier einfach gesünder essen.“ Er räumte jedoch ein, dass dies eine persönliche Einschätzung sei, die in der Studie nicht direkt untersucht wurde.

Amy Hirst von Cancer Research UK bezeichnete die Arbeit ebenfalls gegenüber dem Sender als „hochwertige Studie“ mit interessanten Erkenntnissen, betonte aber, die Ergebnisse reichten nicht für endgültige Schlussfolgerungen. Es brauche weitere Forschung mit größeren und vielfältigeren Bevölkerungsgruppen.

Jules Griffin, Direktor des Rowett Institute an der Universität Aberdeen, merkte zudem laut BBC an, dass ein Vergleich mit einer Gruppe fehle, die sich gemäß den britischen Ernährungsrichtlinien mit moderatem Fleisch- und Fischkonsum ernähre – dies könnte die optimale Ernährung zur Krebsvorbeugung sein.