Das Nasa Earth Observatory, die Erdbeobachtungsabteilung der US-Raumfahrtbehörde, hat am Donnerstag einen Bericht über die großflächige Staubwolke veröffentlicht, die Anfang März 2026 von der Sahara aus weite Teile West- und Mitteleuropas erfasste.
Winterliche Winde trugen den Wüstenstaub von Nordwestafrika über das Mittelmeer, hieß es. Wo die Staubwolken auf regenführende Tiefdruckgebiete trafen, fiel laut Nasa in mehreren Ländern sogenannter „Blutregen“ – Niederschlag, der durch mitgeführte Staubpartikel Oberflächen mit einem bräunlichen Belag überzog.
Eine Animation des Nasa-Modells GEOS zeigt laut dem Earth-Observatory-Bericht die Staubkonzentration und -bewegung vom 1. bis 9. März. Die Daten machen sichtbar, wie Staubfahnen sowohl westwärts über den Atlantik als auch nordwärts nach Europa zogen. Beobachter meldeten trübe Himmel von Südengland, wo Sonnenauf- und -untergänge ungewöhnlich verfärbt wirkten, bis in die Schweizer Alpen, wo sich eine Staubschicht über das Matterhorn legte.
Das Tiefdruckgebiet „Regina“, benannt vom portugiesischen Wetterdienst, brachte den verfärbten Regen insbesondere nach Süd- und Ostspanien sowie in Teile Frankreichs und Südenglands. Auch über Deutschland machte sich der Saharastaub durch trüben Himmel und milchiges Licht bemerkbar.
Was hinter dem sogenannten „Blutregen“ steckt
Der britische Wetterdienst Met Office erklärte in einem eigenen Blogbeitrag vom 4. März, der Begriff „Blutregen“ werde oft irreführend verwendet. Tatsächlich sichtbar roter Regen sei äußerst selten – dafür müssten ungewöhnlich hohe Konzentrationen eisenoxidhaltiger Partikel im Niederschlag enthalten sein. In der Regel bleibe lediglich ein dünner Staubfilm auf Fahrzeugen und Fenstern zurück.
Gesundheitliche Bedenken bestünden bei den über Großbritannien erwarteten Konzentrationen nicht, so das Met Office. Menschen mit Atemwegserkrankungen könnten allenfalls eine leicht erhöhte Feinstaubbelastung bemerken, bevor Regen die Atmosphäre reinige.
Staubige Zirruswolken senken Solarleistung
Über dem Mittelmeer bildeten sich laut MeteoSwiss sogenannte „staubige Zirruswolken“, bei denen Staubpartikel als Kondensationskerne für Eiskristalle wirken. Diese Wolkenform hat nach Angaben der Nasa direkte Auswirkungen auf die Energieerzeugung.
Eine aktuelle Studie, die unter anderem auf Satellitendaten der Nasa zurückgriff, untersuchte den Einfluss von Saharastaub auf Solaranlagen in Ungarn. An Tagen mit hoher Staubbelastung sank die Leistung von Photovoltaikanlagen demnach auf 46 Prozent – verglichen mit mindestens 75 Prozent an staubarmen Tagen. Hauptursache war, dass der Staub die Bildung und Reflexion von Zirruswolken verstärkte und so weniger Sonnenstrahlung die Panels erreichte.
Mehrere Studien deuten laut dem Nasa-Bericht darauf hin, dass winterliche Staubereignisse in Europa in den vergangenen Jahren häufiger und intensiver geworden sind. Als mögliche Ursachen werden trockenere Bedingungen in Nordwestafrika sowie veränderte Windmuster genannt, die Luftmassen verstärkt von der Sahara nach Norden transportieren.


