Die griechische Zentralbank hat am heutigen Montag für Februar 2026 einen Anstieg der Ankünfte ausländischer Reisender um 44,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gemeldet. Die Einnahmen aus dem Reiseverkehr legten zugleich um 83,2 Prozent zu.
Für Januar und Februar 2026 zusammen weist die Zentralbank ein Plus von 38,5 Prozent bei den Ankünften aus dem Ausland und von 70,7 Prozent bei den entsprechenden Einnahmen aus. Der Überschuss im Handel mit Dienstleistungen sei vor allem wegen des starken Reiseverkehrs gestiegen, schreibt die Notenbank.
Spanien und Portugal verbuchen Buchungsschub
Die Zahlen aus Athen passen in eine breitere Verschiebung der Reiseströme im Mittelmeerraum. Laut einer Reuters-Meldung vom 15. April 2026 verbuchen auch Spanien und Portugal mehr Buchungen für das späte Frühjahr und den Sommer, weil viele Reisende den Nahen Osten meiden. Die Sommer-Flugbuchungen nach Spanien stiegen Reuters zufolge bis zum 2. April um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Zahl der Suchanfragen nach Hotels um 28 Prozent. Für Portugal nennt die Reisedatenplattform Sojern, zitiert von Reuters, ein Plus von 21 Prozent bei Flugbuchungen und 16 Prozent bei Hotelsuchen.
„Sommerurlaube werden Monate im Voraus geplant. Da viele beliebte Reiseziele vom Konflikt betroffen sind, schlägt sich ein erheblicher Teil dieses Sicherheitseffekts schon jetzt in Buchungen für Spanien nieder“, sagte Oscar Perelli, Vizepräsident des spanischen Branchenverbands Exceltur, am 5. April gegenüber Reuters. Exceltur hob seine Prognose für die spanische Tourismusbranche auf ein reales Wachstum von 2,5 Prozent in diesem Jahr an, wie Reuters berichtete. Umgeleitete Touristen könnten der spanischen Tourismusbranche zusätzliche 4,2 Milliarden Euro einbringen. Cehat-Präsident Jorge Marichal betonte gegenüber Reuters, alle Prognosen hingen davon ab, was in der Straße von Hormus geschehe.
Asiatische Airlines profitieren
Auch zwischen Europa und Asien verlagert sich der Verkehr weg von den Drehkreuzen am Persischen Golf. Nach einer Reuters-Meldung vom 19. April 2026 berichten Cathay Pacific, Singapore Airlines, Korean Air und Qantas von mehr Nachfrage auf Europa-Strecken im März. Singapore Airlines füllte seine Europa-Flüge im März dem Bericht zufolge zu 93,5 Prozent, ein Jahr zuvor waren es 79,7 Prozent. Korean Air meldete im ersten Quartal einen Betriebsgewinn von umgerechnet rund 296 Millionen Euro, ein Plus von 47,3 Prozent. Die Fluggesellschaft führte das Wachstum teils auf die gestiegene Nachfrage zwischen Europa und Asien infolge des Nahostkriegs zurück.
Vor dem Konflikt entfiel rund ein Drittel des Passagierverkehrs zwischen Europa und Asien auf Emirates, Qatar Airways und Etihad Airways, wie Reuters unter Berufung auf den Branchendienst Cirium berichtet. Die drei Golf-Airlines hätten laut Flightradar24-Daten inzwischen wieder mindestens 60 Prozent ihrer früheren Flüge erreicht. Analysten der Bank of America rechnen laut Reuters damit, dass die Zugewinne auf den Asien-Europa-Strecken auch nach einem Kriegsende noch sechs bis zwölf Monate anhalten könnten.
Reisende spüren Auswirkungen der Krise
Hinzu kommen steigende Treibstoffkosten. Die europäische Flugsicherungsorganisation EUROCONTROL berichtet in ihrem Wochenüberblick für die 15. Kalenderwoche, dass der Kerosinpreis in Europa am 10. April auf 4,85 US-Dollar je Gallone gestiegen ist, ein Plus von 2,4 Prozent binnen zwei Wochen. Der Flugverkehr zwischen Europa und dem Nahen Osten lag in derselben Woche nach Angaben von EUROCONTROL um 54 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Nach Angaben der US-Statistikbehörde Bureau of Labor Statistics sind die Flugpreise in den USA im März 2026 gegenüber dem Vormonat um 2,7 Prozent und gegenüber dem Vorjahresmonat um 14,9 Prozent gestiegen. Benzin war im selben Monat 21,2 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.
Laut einer repräsentativen Umfrage des Brokers XTB und des Marktforschungsinstituts TGM spürt jeder vierte Deutsche Auswirkungen des Iran-Krieges auf seine Urlaubsplanung. Zehn Prozent haben ihre Reise bereits geändert, weitere zehn Prozent denken darüber nach, vier Prozent haben komplett storniert.


