Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Gewerkschaft Verdi haben sich nach monatelangen Verhandlungen auf einen neuen Manteltarifvertrag geeinigt. Kernstück des Pakets ist ein Wahlmodell, das den rund 16.000 Beschäftigten erlaubt, selbst zu entscheiden, ob sie Mehrarbeit durch zusätzliches Geld oder durch Freizeit ausgleichen wollen.
Der Vertrag hat eine Laufzeit von 48 Monaten. Ab 2027 steigt der Urlaubsanspruch um jeweils einen zusätzlichen Tag pro Jahr. Ab 2029 haben die Beschäftigten Anspruch auf drei zusätzliche Urlaubstage – diese können laut Verdi auf Wunsch auch finanziell abgegolten werden. Das Urlaubsgeld wird auf 600 Euro angehoben. Für das Jahr 2026 erhalten die Mitarbeiter eine Einmalzahlung von 150 Euro, Teilzeitkräfte anteilig.
Darüber hinaus sieht die Einigung eine Mindestruhezeit von elf Stunden vor. Zwischen 22 und 6 Uhr soll eine durchschnittliche Wendezeit von sechs Minuten gelten, soweit betrieblich umsetzbar. Die Regelungen zum Zusatzurlaub bei Nachtarbeit sollen ebenfalls verbessert werden. Zusätzlich will die BVG moderne Arbeitszeitmodelle erproben.
Beide Seiten bewerten Einigung positiv
BVG-Verhandlungsführerin und Vorständin für Betrieb und Personal, Jenny Zeller-Grothe, erklärte: „Wir haben hart um sinnhafte Verbesserungen und deutliche Entlastungen gerungen." Am Ende stehe ein starkes Gesamtpaket, das die Mitarbeitenden durch mehr Urlaub entlaste und gleichzeitig die wirtschaftliche Perspektive sowie die Interessen der Fahrgäste berücksichtige. „Arbeit ist wichtig, aber nicht alles", so Zeller-Grothe.
Der Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt betonte die Rolle der Arbeitskampfmaßnahmen: „Die anfänglichen Startschwierigkeiten in dieser Tarifrunde konnten dank der Streiks in den vergangenen Wochen überwunden werden." Das vorliegende Paket schaffe mehr Verlässlichkeit und Entlastung für die Beschäftigten. Die Tarifkommission empfiehlt den Verdi-Mitgliedern, das Ergebnis anzunehmen.
Lange Vertragslaufzeit soll stabile Umsetzung ermöglichen
Seit Januar 2026 hatten BVG und Verdi in insgesamt sechs Runden über den neuen Manteltarifvertrag verhandelt. Die Gespräche betrafen die Arbeitsbedingungen der BVG-Beschäftigten sowie der Mitarbeiter der Tochtergesellschaft Berlin Transport (BT). Bereits im vergangenen Jahr hatten beide Seiten in separaten Entgelttarifverhandlungen finanzielle Verbesserungen vereinbart – 2025 wurde eine Gehaltserhöhung von bis zu 20 Prozent beschlossen.
Die lange Vertragslaufzeit von vier Jahren soll der BVG die nötige Zeit geben, die vereinbarten Verbesserungen betrieblich vorzubereiten. Für das neue Urlaubs-Wahlmodell müssen beispielsweise zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und ausgebildet werden, damit der laufende Betrieb und die Fahrgäste nicht beeinträchtigt werden.


