Nahost

Nach schwerer Trump-Drohung: Iran bricht Verhandlungen mit USA ab

Teheran kappt offenbar die Kommunikation mit Washington, nachdem Trump vor der Zerstörung einer „ganzen Zivilisation“ gewarnt hat. Im Nahen Osten droht eine weitere Eskalation.

US-Präsident Donald Trump drohte mit einem massiven Angriff auf den Iran nach Ablauf einer Frist, die er Teheran zur Öffnung der Straße von Hormus gegeben hat.
US-Präsident Donald Trump drohte mit einem massiven Angriff auf den Iran nach Ablauf einer Frist, die er Teheran zur Öffnung der Straße von Hormus gegeben hat.Brendan Smialowski/AFP

Der Iran hat am Dienstag sämtliche diplomatischen und indirekten Kommunikationskanäle zu den Vereinigten Staaten ausgesetzt. Das berichteten etwa das Wall Street Journal und die New York Times übereinstimmend. „Jeglicher Nachrichtenaustausch wurde eingestellt“, hieß es demnach. Die Entscheidung fiel nur wenige Stunden vor Ablauf eines Ultimatums, das US-Präsident Donald Trump dem Iran zur Öffnung der strategisch zentralen Straße von Hormus gesetzt hatte.

Laut Wall Street Journal haben Diplomaten aus der Region bestätigt, dass Teheran die direkte Kommunikation mit Washington gekappt hat. Gespräche über Vermittler, etwa im Rahmen von Waffenstillstandsverhandlungen, liefen jedoch zunächst weiter. Ein Vertreter erklärte dem Wall Street Journal, der Iran wolle mit dem Schritt ein Signal des Protests und der Widerstandsbereitschaft senden. Ob die direkten Gespräche vor Ablauf der Frist wieder aufgenommen würden, blieb unklar. Das Weiße Haus reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.

Die New York Times berichtete unter Berufung auf drei hochrangige iranische Beamte, dass Teheran auch Pakistan darüber informiert habe, sich nicht länger an Waffenstillstandsgesprächen zu beteiligen.

Trump warnt vor Untergang einer „ganzen Zivilisation“

Auf seiner Plattform Truth Social verschärfte Trump zuvor die Rhetorik drastisch: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben, um nie wieder zurückzukehren.“ Er wolle das zwar nicht, halte es aber für wahrscheinlich. Zugleich sprach er davon, dass 47 Jahre „Erpressung, Korruption und Tod“ noch am selben Abend enden würden, und stellte einen „vollständigen Regimewechsel“ in Aussicht.

Irans Erster Vizepräsident Mohammad Reza Aref wies die Drohungen scharf zurück. Eine Zivilisation, die Jahrtausende von Krisen und feindlichen Absichten überstanden habe, werde „nicht durch Trumps steinzeitliche Rhetorik erschüttert“, erklärte Aref kurz nach Trumps Post laut Wall Street Journal. Der Iran sei bereit, für seine nationalen Interessen einzustehen und sich auf die innere Stärke der iranischen Nation zu stützen.

Irans UN-Botschafter Amir-Saeid Iravani bezeichnete Trumps Drohung während einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats zur Straße von Hormus als „Anstiftung zu Kriegsverbrechen und möglicherweise Völkermord“, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Teheran werde angesichts solcher Verbrechen „nicht untätig bleiben“ und ohne Zögern sein Recht auf Selbstverteidigung ausüben sowie „sofortige und verhältnismäßige Gegenmaßnahmen“ ergreifen, sagte Iravani. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, Trumps Rhetorik zu verurteilen, bevor es zu spät sei.

Tucker Carlson kritisiert Trump

Auch in den Vereinigten Staaten regte sich Widerstand gegen die Eskalation. Der einflussreiche konservative Podcaster Tucker Carlson, ein langjähriger Kritiker amerikanischer Militäreinsätze im Ausland, rief US-Beamte dazu auf, sich einem möglichen Angriff auf iranische Zivilisten zu widersetzen. Er brachte dabei auch den Einsatz von Atomwaffen ins Spiel und forderte: „Jetzt ist es an der Zeit, Nein zu sagen, absolut nicht.“ Verantwortliche sollten dem Präsidenten sagen, er solle „die Codes im Atomkoffer selbst herausfinden“.

Auf die Vermutung nach einem Auftritt von Vizepräsident JD Vance, Trump könne den Einsatz von Atomwaffen erwägen, reagierte das Weiße Haus mit seinem Rapid-Response-Account auf X mit den Worten: „Wörtlich nichts, was @VP hier gesagt hat, ‚impliziert‘ das – ihr absoluten Trottel.“

Lage am Golf spitzt sich zu

Im Hintergrund eskalierte die Situation auch militärisch. Das US-Militär griff nach Berichten von Axios und Fox News militärische Ziele auf der iranischen Ölinsel Kharg an, über die rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden. Aus Teheran wurden schwere Luftangriffe gemeldet, iranische Staatsmedien sprachen von mindestens 33 Toten. Der Iran feuerte seinerseits Raketen auf Saudi-Arabien ab, die nach saudischen Angaben abgefangen wurden.

Teheran stellte zuvor Bedingungen für eine mögliche Feuerpause: Sicherheitsgarantien, ein Ende israelischer Angriffe auf die Hisbollah im Libanon sowie eine Gebühr von rund zwei Millionen US-Dollar pro Schiff für die Passage durch die Straße von Hormus, wie die New York Times unter Berufung auf iranische Regierungsvertreter berichtete.

Trumps Frist für die Öffnung der Straße von Hormus läuft am Dienstagabend um 20 Uhr Ortszeit ab – Mittwoch, 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit.