Familienplanung

Moskau präzisiert Psychologen-Empfehlung für Frauen ohne Kinderwunsch

Die neue Richtlinie soll laut Ministerium Abtreibungen verhindern und die Geburtenrate erhöhen. Zugleich wird betont, eine Beratung setze die Einwilligung der Patientin voraus.

Mutter mit Neugeborenen in Moskauer Geburtsklinik
Mutter mit Neugeborenen in Moskauer GeburtsklinikValery Sharifulin/imago

Das russische Gesundheitsministerium hat am Mittwoch klargestellt, dass die in einer neuen Richtlinie vorgesehene psychologische Beratung für Frauen ohne Kinderwunsch ausschließlich mit Einwilligung der Patientin erfolgen soll. Die Chefexpertin des Ministeriums für die reproduktive Gesundheit von Frauen, Natalija Dolguschina, erklärte am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax, sämtliche Bestimmungen der Empfehlungen hätten lediglich empfehlenden Charakter.

Die umgehende Klarstellung folgte auf Berichte vom selben Tag, wonach methodische Empfehlungen des Ministeriums vom 27. Februar 2026 vorsehen, Frauen, die bei einer Vorsorgeuntersuchung angeben, keine Kinder haben zu wollen, an einen medizinischen Psychologen zu überweisen. Die Richtlinie ist Teil einer einer systematischen Vorsorgeuntersuchung von Männern und Frauen im reproduktiven Alter zur Bewertung der reproduktiven Gesundheit.

Laut den Angaben des Ministeriums gegenüber Interfax vom 18. März verfolgt die Maßnahme zwei Ziele: die Prävention künstlicher Schwangerschaftsabbrüche und die Steigerung der Geburtenrate.

Russlands demografische Krise als Hintergrund

Die Empfehlung fügt sich in eine Reihe staatlicher Maßnahmen ein, mit denen der Kreml auf die anhaltende demografische Krise reagiert. Nach auf Rosstat-Daten gestützten Berichten wurden 2024 nur noch rund 1,22 Millionen Kinder geboren – der niedrigste Jahreswert seit 1999.

Bereits im ersten Halbjahr 2024 war die Zahl der Geburten in Russland auf 599.600 gefallen. Die zusammengefasste Geburtenziffer liegt nach Angaben der Weltbank bei etwa 1,4 Kindern pro Frau und damit weit unter dem Bestandserhaltungsniveau von 2,1.

Zugleich altert die russische Gesellschaft: Der Anteil der über 65-Jährigen ist hoch und nimmt weiter zu. Die Lebenserwartung von Männern lag 2023 bei 68 Jahren, die von Frauen bei 78,7 Jahren. Nach UN-Projektionen hat Russland seinen Bevölkerungshöchststand bereits überschritten.

Die schrumpfende Zahl der Erwerbsfähigen belastet Renten- und Gesundheitssysteme und gilt dem Kreml als strategisches Problem, das Arbeitskräfte, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und auf lange Sicht auch das militärische Personalpotenzial betrifft.