Die beiden wichtigsten Oppositionsparteien Guinea-Bissaus haben öffentlich zu einem Dialog mit der regierenden Militärjunta aufgerufen, um einen Ausweg aus der politischen Krise des westafrikanischen Landes zu finden. Das berichtet das Portal Africanews unter Berufung auf Nachrichtenagenturen.
Seit dem Putsch Ende November 2025, bei dem das Militär Präsident Umaro Sissoco Embaló von der linksgerichteten Partei MADEM G15 stürzte, befindet sich Guinea-Bissau in einer seiner politisch instabilsten Phasen der jüngeren Geschichte.
Eine Militärjunta „zur Wiederherstellung der nationalen Sicherheit und der öffentlichen Ordnung“ übernahm die Regierungsgeschäfte und setzte den laufenden Wahlprozess aus.
Vertreter der ehemaligen Unabhängigkeitspartei PAIGC und der zentristischen PRS bemühen sich um die Aufnahme von Verhandlungen mit den neuen Machthabern. Ziel ist es, die Rückkehr des Landes zu seiner verfassungsmäßigen Ordnung zu klären.
Angebot zur Regierungsbeteiligung abgelehnt
Der Dialogaufruf folgt auf ein Angebot der Junta, Oppositionspolitikern Posten in einer Übergangsregierung zu übertragen. Führende Oppositionsvertreter wiesen dieses Angebot jedoch zurück, wie Africanews berichtet.
Die Ablehnung verdeutlicht das Dilemma der Opposition: Einerseits sucht sie den Kontakt zu den Militärmachthabern, andererseits will sie sich nicht durch eine Beteiligung an einer von diesen kontrollierten Übergangsregierung vereinnahmen lassen.
Ecowas drängt auf Rückkehr zu Zivilregierung
Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas) hat als regionale Vermittlerin wiederholt eine rasche Rückkehr zu einer zivilen Regierung gefordert. Die Junta in Guinea-Bissau unter General Horta Inta-A Na Man hat Wahlen für den 6. Dezember 2026 angekündigt; Inta-A Na Man ist seit dem Militärputsch Übergangspräsident.
Guinea-Bissau ist ein kleiner Küstenstaat mit rund zwei Millionen Einwohnern. Seit seiner Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1974 gilt er als eines der politisch fragilsten Länder Westafrikas. Seine Wirtschaft ist stark von dem mit Abstand wichtigsten Exportgut, den rohen Cashew-Nüssen, abhängig.
Laut UN-Berichten dient Guinea-Bissau seit den 2000er-Jahren als zentraler Umschlagplatz für Kokain auf dem Weg von Südamerika nach Europa. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung leidet unter extremer Armut. Der Putsch im November 2025 reiht sich in eine lange Geschichte erfolgter und versuchter Umstürze ein.


