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LKAB will Seltene Erden bei Kiruna abbauen – Studie sieht Rechte der Samen in Gefahr

Die LKAB-Erzmine Per Geijer bei Kiruna soll Seltene Erden für die EU liefern. Laut einer neuen Studie würde es Weideflächen samischer Rentierhalter zerschneiden.

Samische Rentierhalter im schwedischen Lappland
Samische Rentierhalter im schwedischen LapplandLars Johansson/imago

Das geplante Bergbauprojekt Per Geijer des schwedischen Staatskonzerns LKAB bei Kiruna birgt Risiken für die Rechte samischer Rentierhalter. Zu diesem Ergebnis kommt ein am heutigen Mittwoch veröffentlichter Bericht des Stockholmer Umweltforschungsinstituts SEI. Laut der Studie drohen Verstöße gegen das Recht der Samen auf Land und Kultur sowie gegen deren Anspruch auf wirksame Beteiligung an Entscheidungsprozessen.

Die SEI-Forscher haben eine neue Methode zur Bewertung von Menschenrechtsrisiken im Kontext der Rentierzucht entwickelt. Die Methode benennt sechs Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um die kollektiven Rechte einer samischen Gemeinschaft auf Land und Kultur zu wahren.

Das traditionelle Siedlungsgebiet der Samen, Eigenbezeichnung Sami, reicht von Nordnorwegen über Nordschweden und Nordfinnland bis auf die russische Kola-Halbinsel. In Schweden sind sie als indigenes Volk und als nationale Minderheit anerkannt; staatliche Stellen müssen ihre Vertreter bei Entscheidungen von besonderer Bedeutung konsultieren.

Im Fall des Per-Geijer-Projekts sehen die Autoren bei nahezu allen untersuchten Voraussetzungen schwere Beeinträchtigungen, weil die Weideflächen der betroffenen samischen Rentierhaltergemeinschaft Gabna durchtrennt würden. Angesichts des Ausmaßes sei wahrscheinlich deren ausdrückliche Zustimmung erforderlich, damit das Vorhaben mit dem internationalen Schutz indigener Rechte vereinbar wäre, heißt es in dem Bericht.

Die geplante Mine liegt bei Kiruna in Nordschweden, östlich von Luossavaara. Per Geijer ist primär ein Eisenerzvorkommen mit Seltenen Erden als Begleitrohstoff.

Eines der größten Seltene-Erden-Vorkommen Europas

Das Projekt Per Geijer umfasst laut dem schwedischen Wirtschaftsportal Börsvärlden rund 1,2 Milliarden Tonnen Mineralvorkommen, darunter 2,2 Millionen Tonnen Seltene Erden. Die EU hat das Vorhaben im Critical Raw Materials Act als strategisches Projekt eingestuft. Das soll die Rohstoffversorgung sichern und Genehmigungen beschleunigen.

Lars-Marcus Kuhmunen, Vorsteher der Samengemeinde Gabna Sameby, sagte laut Börsvärlden, die Samen seien nicht grundsätzlich gegen Bergbau, solange dieser ihre Kultur nicht bedrohe. Das Projekt könne jedoch „der letzte Nagel im Sarg sein, der das Ende der gesamten Gemeinschaft bedeutet“.

LKAB prägt eine ganze Region

LKAB erklärte laut Börsvärlden, den Bericht nicht geprüft zu haben. Das Unternehmen wolle einen Dialog mit der Gemeinde führen, um Kompensationsmaßnahmen zu entwickeln. SEI hatte LKAB vor der Veröffentlichung eingeladen, Informationen beizusteuern und den Bericht zu prüfen. Der Konzern lehnte ab.

Der Fall steht für die Landnutzungskonflikte im schwedischen Lappland – von Kiruna bis nach Jokkmokk. Bislang hat LKAB für das Projekt keine menschenrechtliche Folgenabschätzung vorgelegt. Das Unternehmen muss seine eingereichte Konzessionsanfrage bis zum 1. Mai 2026 um eine Analyse zu den Auswirkungen auf die Rentierzucht ergänzen.

LKAB prägt das nordschwedische Erzrevier um Kiruna in der Provinz Norrbotten seit mehr als einem Jahrhundert: Das 1890 gegründete und seit 1976 vollständig staatliche Unternehmen dominiert dort weite Teile der Rohstoffwirtschaft und betreibt in dem Bergbaurevier Europas reichste Eisenerzmine.

Das besonders reine Erz aus der Lagerstätte unter Kiruna ist ein zentraler Rohstoff für die europäische Eisen- und Stahlproduktion; jährlich werden dort rund 25 Millionen Tonnen gefördert, ein Teil davon im LKAB-Werk Svappavaara zu Pellets weiterverarbeitet. Historisch steht der Konzern zudem für die lange Erzgeschichte des hohen Nordens, von der Werkssiedlung Kiruna um 1900 bis zu den Eisenerztransporten über den norwegischen Hafen Narvik im Zweiten Weltkrieg.

SEI zufolge stehen Leitlinien und Praxis der Bergbauindustrie bei Eingriffen in die Rentierzucht seit Langem in der Kritik. Rasmus Kløcker Larsen vom SEI sagte, der Bericht solle zu besseren Bewertungen und einem faireren Umgang mit Landnutzungskonflikten beitragen.