Peru wird nicht am sogenannten „Shield of the Americas Summit“ teilnehmen, den US-Präsident Donald Trump für den 7. März in Florida einberufen hat. Offiziell begründet Perus Außenminister Hugo de Zela Martínez die Absage mit dem nationalen Notstand infolge schwerer Regenfälle und des Küsten-El-Niño-Phänomens. „Es ist nicht ratsam, dass der Präsident das Land verlässt; wir konzentrieren uns auf diesen Notstand“, sagte de Zela laut der peruanischen Staatszeitung El Peruano. Präsident José María Balcázar müsse die Katastrophenhilfe vor Ort koordinieren.
Doch hinter der Absage steckt mehr als Krisenmanagement. Wie CNN en Español berichtet, befindet sich Peru in einem zunehmend schwierigen Balanceakt zwischen seinen beiden wichtigsten Partnern: den USA und China. Der Gipfel in Florida ist ausdrücklich darauf ausgerichtet, den chinesischen Einfluss in Lateinamerika zurückzudrängen – eine Teilnahme hätte Peru klar im US-Lager verortet.
Das wäre wirtschaftlich riskant: China ist Perus größter Handelspartner. Laut der South China Morning Post stieg der bilaterale Handel 2025 um 17,8 Prozent auf rund 51 Milliarden US-Dollar. Rund 32 Prozent aller peruanischen Exporte gehen nach China. Symbol dieser Verflechtung ist der chinesisch finanzierte Megahafen Chancay, eine 3,5 Milliarden Dollar teure Tiefwasseranlage an der peruanischen Pazifikküste, die zu einer regionalen Drehscheibe für den Handel zwischen Südamerika und Asien werden soll.
Washington reagiert mit Gegenmaßnahmen. US-Botschafter Bernie Navarro bezeichnete Peru als „Schlüsselland“ für die US-Strategie in Südamerika und warnte: „Alles hat seinen Preis, und auf Dauer kommt das Billige teuer. Es gibt keinen höheren Preis als den Verlust der Souveränität.“ Die USA haben Peru Anfang 2026 zu einem wichtigen Nicht-Nato-Verbündeten erklärt, ein 1,5-Milliarden-Dollar-Abkommen zur Modernisierung der Marinebasis Callao angekündigt und Interesse an peruanischen Bodenschätzen signalisiert – zehn der sechzig von Washington als kritisch eingestuften Mineralien lagern in Peru.
Aktive Neutralität als Strategie
Der ehemalige peruanische Botschafter in China, Juan Carlos Capuñay, beschreibt Perus Ansatz gegenüber CNN als „aktive Neutralität“. Das Land wolle weder Washington noch Peking verprellen. Martín Cassinelli vom Atlantic Council rät Peru, gegenüber den USA „propositiv“ aufzutreten und konkrete Investitionsprojekte anzubieten, statt nur zu reagieren.
Die politische Instabilität erschwert diesen Kurs allerdings erheblich: Peru hatte in den vergangenen zehn Jahren acht Präsidenten. Für exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland ist das relevant – Peru ist der zweitgrößte Kupferproduzent der Welt, und Kupfer ist ein Schlüsselrohstoff für Energiewende und Elektromobilität. Wer die Infrastruktur und Logistik kontrolliert, beeinflusst globale Lieferketten.


