Nahost

Krieg in Nahost: Netanjahu ordnet direkte Verhandlungen mit dem Libanon an

Israel will die Hisbollah entwaffnen und laut Premier Netanjahu „so bald wie möglich“ über Frieden verhandeln. Doch Beirut stellt eine Bedingung.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu spricht während einer Pressekonferenz in Jerusalem.
Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu spricht während einer Pressekonferenz in Jerusalem.Ronen Zvulun/Reuters

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat am Donnerstag sein Kabinett angewiesen, „so bald wie möglich“ direkte Verhandlungen mit dem Libanon aufzunehmen. Im Zentrum sollen die Entwaffnung der Hisbollah und friedliche Beziehungen stehen, wie aus einer Erklärung seines Büros hervorgeht.

„Angesichts der wiederholten Bitten des Libanon, direkte Verhandlungen mit Israel zu beginnen, habe ich das Kabinett gestern entsprechend angewiesen“, erklärte Netanjahu demnach. Ein erstes Treffen könnte laut dem Nachrichtenportal Axios bereits kommende Woche in Washington stattfinden. Israels Botschafter Yechiel Leiter soll die israelische Delegation führen, berichtete die Times of Israel. Israel und der Libanon unterhalten derzeit keine diplomatischen Beziehungen.

Gegensätzliche Bedingungen

Die Positionen liegen dennoch weit auseinander. Kurz vor Israels Ankündigung berichteten staatliche libanesische Medien, dass der libanesische Präsident Joseph Aoun, ein maronitischer Christ, einer Gruppe führender Vertreter seiner Religionsgemeinschaft gesagt habe, die einzige Lösung für das Land bestehe darin, einen Waffenstillstand zwischen Libanon und Israel zu erreichen und direkte Verhandlungen aufzunehmen.

Gegenüber Reuters und AFP bestätigten libanesische Beamte die Forderung nach einer Feuerpause. Ein israelischer Vertreter wies dies laut Times of Israel jedoch zurück: Es werde keinen Waffenstillstand vor den Gesprächen geben.

Hisbollah lehnt Gespräche ab

Die Hisbollah lehnt derweil direkte Gespräche kategorisch ab. Der Hisbollah-Abgeordnete Ali Fajjad forderte über die Medienkanäle der Miliz den israelischen Rückzug, die Einstellung der Angriffe und die Rückkehr der Bewohner in ihre Ortschaften.

Das Gesprächsangebot kam nach heftigen israelischen Angriffen auf den Libanon. Am Mittwoch führte die Armee laut Reuters rund 100 koordinierte Luftschläge durch. Das libanesische Gesundheitsministerium bezifferte die Zahl der Toten auf 303, mindestens 1150 weitere wurden verletzt. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, mehr als 200 der Getöteten seien Hisbollah-Kämpfer gewesen. Seit dem 2. März seien insgesamt 1888 Menschen im Libanon getötet worden.

Streit um Iran-Waffenruhe

Die Verhandlungsankündigung steht im Zusammenhang mit der von US-Präsident Trump am Dienstag verkündeten Waffenruhe im Iran-Konflikt. Israel und die USA betonen, diese erstrecke sich nicht auf den Libanon. Der Iran widerspricht: Parlamentspräsident Galibaf erklärte laut Reuters, der Libanon sei untrennbarer Teil jeder Vereinbarung. Auch Großbritannien und Frankreich forderten eine Ausweitung auf den Libanon. Der Krieg hatte Anfang März begonnen, nachdem die USA und Israel Ende Februar Angriffe auf den Iran gestartet hatten.

Die iranische Blockade der Straße von Hormus blieb trotz Waffenruhe derweil nahezu vollständig bestehen. In Islamabad bereiteten sich die Behörden auf die ersten direkten US-Iran-Gespräche vor. Pakistan arbeite zudem an Waffenruhen für den Libanon und den Jemen, so Reuters.