Die militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran gefährdet zentrale Handelsrouten und treibt die Kosten für Brasiliens Agrarexporte in die Höhe. Wie die Sender CNN Brasil und Agro Estadão übereinstimmend berichten, werden aufgrund iranischer Drohungen in Bezug auf die Straße von Hormus bereits Schiffe über das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet. Dies führt zu deutlich längeren Lieferzeiten und höheren Frachtkosten.
Der Nahe Osten ist für Brasiliens Landwirtschaft ein zentraler Absatzmarkt. Laut Daten des brasilianischen Handelsministeriums beliefen sich die Exporte in die Region im vergangenen Jahr auf 16,1 Milliarden US-Dollar – 4,6 Prozent aller brasilianischen Ausfuhren. Geflügelfleisch machte dabei laut CNN Brasil 19,1 Prozent aus, gefolgt von Mais (17,2 Prozent), Zucker (14,8 Prozent), Rindfleisch (7,3 Prozent) und Soja (5,7 Prozent).
Diesel und Fracht werden teurer
Der Rohölpreis der Sorte Brent stieg laut Agro Estadão am Montag um 13 Prozent auf 82 US-Dollar pro Barrel – der stärkste Anstieg seit über einem Jahr. Fachleute warnen, dass ohne diplomatische Konfliktlösung die Marke von 100 US-Dollar erreicht werden könnte. Für die Agrarbranche bedeutet das teureren Diesel.
Fernando Iglesias, Analyst beim Beratungsunternehmen Safras & Mercado, sagte gegenüber Agro Estadão, der unmittelbare Effekt betreffe vor allem die Logistik: „Das Produkt wird seinen Bestimmungsort erreichen, nur wird es teurer.“ Ein größeres Risiko bestehe, falls sich der Konflikt auf Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate ausweite, da beide wichtige Abnehmer brasilianischen Fleisches sind.
Brasilien abhängig von Düngemittelimporten
Zusätzlich sorgt Brasiliens Abhängigkeit von importierten Düngemitteln für Nervosität: 80 Prozent der in der Landwirtschaft eingesetzten Dünger stammen aus dem Ausland, 79 Prozent der iranischen Exporte nach Brasilien waren 2025 Dünger und Düngemittel. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Urea, einen synthetischen Stickstoffdünger.
Celso Moretti, der ehemalige Präsident der staatlichen brasilianischen Agrarforschungsgesellschaft Embrapa mit Sitz in Brasília, warnte im Agro Estadão, es sei ein Fehler, Düngemittel und Kraftstoffe als rein technische Variablen zu behandeln: „Der Konflikt trifft die Kosten, die Margen und die Wettbewerbsfähigkeit des brasilianischen Landwirts direkt.“


