Rund 500.000 Menschen erhalten in Deutschland jährlich eine Krebsdiagnose, etwa jeder zweite Bundesbürger erkrankt im Lauf seines Lebens. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums wären rund 165.000 dieser Fälle durch einen gesünderen Lebensstil vermeidbar. Welche Faktoren das individuelle Risiko bestimmen, erläutert der Onkologe Carsten-Oliver Schulz, wie Focus Online berichtet.
Erster Ansprechpartner sei in der Regel der Hausarzt, so Schulz. Sechs Fragen helfen ihm, das persönliche Risikoprofil seiner Patienten zu ermitteln: Sind Sie Raucher oder Nichtraucher? Wie sieht die Ernährung aus? Bewegen Sie sich regelmäßig? Liegt das Körpergewicht im Normalbereich? Treten häufig Sonnenbrände auf? Und nehmen Sie an Früherkennungsprogrammen teil? Wer diese Bereiche im Blick behält, kann sein Risiko nach Einschätzung des Mediziners deutlich senken.
Familiäre Vorbelastung als Warnsignal
Neben dem Lebensstil komme der genetischen Veranlagung eine zentrale Rolle zu. „Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, der für das individuelle Krebsrisiko steht“, betont Schulz. Treten in einer Familie gehäuft ähnliche Krebserkrankungen auf, sollten Betroffene aufmerksam werden.
Bei einem Verdacht auf eine erbliche Veranlagung überweist der Onkologe Patienten an Humangenetiker. Diese werten den Familienstammbaum aus und entscheiden über weiterführende Tests. Liegen bereits Untersuchungsergebnisse erkrankter Verwandter vor, könnten diese wichtige Anhaltspunkte liefern.
Schulz räumt ein, dass eine solche Diagnostik belastend sein könne und im Einzelfall besprochen werden müsse. Jungen Erwachsenen mit familiärer Vorbelastung rät er dennoch zum ärztlichen Gespräch. Werden Genmutationen wie etwa BRCA – eine bekannte Risikomutation für Brust- und Eierstockkrebs – nachgewiesen, könne eine engmaschige Überwachung Leben retten.
Skepsis gegenüber kommerziellen Bluttests
Zunehmend werben Anbieter im Internet mit Bluttests zur Krebsfrüherkennung, die Tumor-DNA im Blut aufspüren sollen. Schulz warnt ausdrücklich vor solchen kostenpflichtigen Angeboten: „Die sind aber im Moment noch nicht so ausgereift, dass man sie uneingeschränkt empfehlen könnte.“ Bislang werde keiner dieser Tests von einer medizinischen Fachgesellschaft empfohlen, da belastbare wissenschaftliche Belege für ihre Wirksamkeit fehlten.
Die Lage könne sich allerdings ändern: „Das kann in ein, zwei oder fünf Jahren ganz anders aussehen“, so der Onkologe. Sollten die Verfahren künftig ausgereift sein, würden sie vermutlich in den gesetzlichen Früherkennungskatalog aufgenommen. Bis dahin gelte: „Deswegen wäre ich bei allem, was man selbst bezahlen muss, erst einmal zurückhaltend.“


