Kolumbiens Präsident Gustavo Petro hat die Vereinigten Staaten davor gewarnt, Lateinamerika als „Land, das es zu erobern gilt“ zu behandeln. In einem Interview mit dem Nachrichtenportal Politico forderte der linksgerichtete Staatschef die Regierung von US-Präsident Donald Trump auf, statt auf militärische Interventionen auf Dialog mit den Ländern des Kontinents zu setzen.
Petro reagierte damit auf die jüngste außenpolitische Linie Washingtons, die unter anderem Bombardierungen mutmaßlicher Drogenschmuggler, den Sturz des venezolanischen Präsidenten und Drohgebärden gegenüber Kuba umfasst. Diese Maßnahmen werden als Teil der sogenannten „Donroe-Doktrin“ beschrieben – einer Neuauflage der historischen Monroe-Doktrin von 1823, mit der die USA ihren Dominanzanspruch in der westlichen Hemisphäre untermauern wollen.
Scharfe Kritik an Rubio und Musk
Während Petro direkte Angriffe auf Trump vermied und auf ein Treffen der beiden im Weißen Haus im Februar verwies, richtete er seine schärfsten Worte gegen US-Außenminister Marco Rubio und den ehemaligen Trump-Berater Elon Musk. Rubio hatte auf der Münchner Sicherheitskonferenz die „westliche Zivilisation“ und den „christlichen Glauben“ beschworen. Musk hatte „Empathie“ in einem Interview mit dem amerikanischen Podcaster Joe Rogan als Schwachstelle der westlichen Zivilisation bezeichnet.
Petro verurteilte diese Äußerungen als Förderung einer „weißen, christlichen, westlichen Zivilisation“ und warnte davor, „das Zeitalter der Kreuzzüge“ wiederbeleben zu wollen. Solche Parolen gehörten der Vergangenheit an und würden „ein enormes Maß an Gewalt innerhalb jeder Gesellschaft“ erzeugen, sagte er gegenüber Politico. Weder Rubio noch Musk reagierten auf eine Anfrage des Mediums.
Kolumbien gilt als tief gespaltenes Land
Petros Äußerungen fallen in eine Phase tiefer innenpolitischer Spannungen. Kolumbien ist nach einem über sechs Jahrzehnte währenden bewaffneten Konflikt mit mehr als 260.000 Toten und sieben Millionen Binnenflüchtlingen weiterhin stark gespalten. Der Friedensprozess mit der Farc-Guerilla von 2016 wurde unter dem konservativen Vorgänger Duque nur schleppend umgesetzt. Hunderte Sozialaktivisten und ehemalige Guerillakämpfer wurden ermordet.
Die kolumbianische Rechte, politisch geprägt vom ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe, verfolgt Trumps harte Linie gegenüber Venezuela und Kuba mit Sympathie – in der Erwartung, dass eine Schwächung dieser Länder auch die kolumbianische Linke ihrer regionalen Verbündeten berauben könnte.
Der kolumbianische Präsident, gehörte als Jugendlicher der linken Guerillagruppe M-19 an und darf verfassungsgemäß bei den im Mai anstehenden Präsidentschaftswahlen nicht erneut antreten.


