Bären gelten als Allesfresser. Auf ihrem Speiseplan steht sowohl tierische Kost wie Insekten, Fische oder Aas als auch pflanzliche Nahrung. Aufgrund der hohen Vielfalt an möglichen Speisen passen sie sich flexibel dem Nahrungsangebot an. So leisten sie gerade in Ökosystemen, die vom Klimawandel oder menschlichen Eingriffen umfassend verändert wurden, einen zentralen Beitrag zur Stabilisierung.
Flexible Nahrungsaufnahme je nach Angebot
Forschende der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung untersuchten in einer großen Studie den Mageninhalt und Kot von sieben Bärenarten, darunter Braunbär, Schwarzbär, Andenbär und Panda. Die Auswertung zeigte: Bären sind in ihrer Anatomie und ihrem Stoffwechsel nicht auf Fleisch spezialisiert, sondern bevorzugen eine eiweißarme und vor allem vielseitige Ernährung.
Entsprechend passen die meisten Bärenarten ihre Nahrung flexibel an die verfügbaren Ressourcen und das jeweilige Klima an, wie die Forschenden berichten. In kalten Regionen und Zeiten mit kurzer Vegetationsperiode ernähren sich Bären demnach stärker von Fleisch. In wärmeren Gebieten und Epochen mit langer Wachstumszeit bevorzugen sie hingegen Pflanzen.
Braunbären kommt in Europa Schlüsselrolle zu
Insbesondere der europäische Braunbär hat in den letzten Jahrtausenden eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit bewiesen. Die Analysen der Forschergruppe von fossilen Knochen und Zähnen belegen, dass die Tierart nach der letzten Eiszeit vor circa 12000 Jahren zunehmend auf pflanzliche Nahrung umstieg. Damit, so die Schlussfolgerung der Forscher, sind die mehr als 17.000 Braunbären in Europa ein Schlüssel zur Stabilisierung der Nahrungskette.
Die opportunistische Nahrungsaufnahme der Braunbären kann die Überhandnahme einzelner Arten begrenzen. Entsprechend wird ein Kippen von Ökosystemen unwahrscheinlicher. Die sogenannten Nahrungsnetze gewinnen so an Stabilität.
Allesfresser stabilisieren Nahrungsnetze
Die Ergebnisse zeigen laut den Forschern, dass große Allesfresser wie Bären bei Bedarf ihre Rolle im Ökosystem verändern. „Sie können dazu beitragen, dass Nahrungsnetze trotz Umweltveränderungen wie dem Klimawandel stabil bleiben“, sagt Mitautorin Nuria Selva von der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Auf diese Weise trügen die Raubtiere zur Resilienz und Stabilität von Ökosystemen bei.
