Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un hat den Atomwaffenstatus seines Landes als unumkehrbar bezeichnet und Südkorea zum „feindlichsten Staat“ erklärt. Das geht aus einer Rede hervor, die Kim am Montag vor der Obersten Volksversammlung in Pjöngjang hielt und die die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Dienstag veröffentlichte.
Kim sagte demnach, der Ausbau einer „selbstverteidigenden nuklearen Abschreckung“ sei unverzichtbar für die nationale Sicherheit, die regionale Stabilität und die wirtschaftliche Entwicklung. Die Vorstellung, nukleare Abrüstung gegen wirtschaftliche Vorteile oder Sicherheitsgarantien einzutauschen, wies er zurück. Nordkorea habe bereits bewiesen, dass Atomwaffen und wirtschaftlicher Aufbau zugleich möglich seien.
„Die gegenwärtige Weltrealität, in der die Würde und die Rechte souveräner Staaten durch einseitige Gewalt rücksichtslos verletzt werden, lehrt klar, was die wahre Garantie für die Existenz eines Staates und den Frieden ist“, erklärte Kim laut KCNA.
Kim bezeichnete Südkorea in seiner Rede als „feindlichsten Staat“ und warnte Seoul, jeder Versuch, Nordkoreas Souveränität anzutasten, werde „gnadenlos und ohne Zögern“ beantwortet. Die Formulierung geht nach Einschätzung südkoreanischer Experten über die bisherige Rhetorik hinaus. Lim Eul-chul von der Kyungnam-Universität sagte laut Reuters, damit werde Südkorea „faktisch jeder verbliebene Status als Brudernation“ entzogen. Es handle sich um eine Erklärung, die „Südkoreas Legitimität als Gegenüber leugnet“.
Südkorea als Feindstaat
Kim hatte bereits zuvor die jahrzehntelange Politik einer friedlichen Wiedervereinigung aufgegeben und das Verhältnis zu Seoul als das zweier feindlicher Staaten neu definiert. Die Teilung Koreas entlang des 38. Breitengrads geht auf den Ost-West-Konflikt nach dem Zweiten Weltkrieg zurück.
Der Koreakrieg von 1950 bis 1953 war ein zentraler Stellvertreterkrieg des Kalten Krieges. Nordkorea wurde von China und der Sowjetunion unterstützt, Südkorea von den USA und Truppen unter Uno-Mandat. Der Krieg kostete Millionen Menschen das Leben, darunter viele Zivilisten, und verwüstete weite Teile der koreanischen Halbinsel.
Beendet wurde der Krieg nicht durch einen Friedensvertrag, sondern durch das Waffenstillstandsabkommen von 1953. Es schuf die bis heute bestehende Demarkationslinie mit der entmilitarisierten Zone und beendete die offenen Kämpfe, ohne den Konflikt politisch zu lösen. Ein Friedensvertrag wurde nie geschlossen.
Die Macht im Norden des seit 1945 geteilten Landes wird seit der Staatsgründung im Jahr 1948 innerhalb einer Familienlinie weitergegeben. Die führerzentrierte Juche-Ideologie der nordkoreanischen Staatspartei orientiert sich an nationaler Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Eigenversorgung. Nach Kim Il-sung und Kim Jong-il trat vor 14 Jahren Kim Jong-un das Erbe als Herrscher an.
Südkoreas Präsidialamt erklärte am Dienstag laut der Nachrichtenagentur Yonhap, Kims Äußerungen seien „unerwünscht für ein friedliches Zusammenleben“. Nur Dialog und Kooperation könnten gegenseitige Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel gewährleisten.
Neuer Fünfjahresplan und höhere Militärausgaben
Neben der Sicherheitspolitik legte Kim wirtschaftliche Schwerpunkte fest. Er forderte die Umsetzung eines neuen Fünfjahresplans zur Modernisierung der Industrie, zur Steigerung der Strom- und Kohleproduktion, zur Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion und zum Ausbau des Wohnungsbaus.
Laut Schätzungen der südkoreanischen Zentralbank, die Reuters im August 2025 veröffentlichte, wuchs Nordkoreas Wirtschaft 2024 um 3,7 Prozent. Haupttreiber des Wachstums waren laut der Bank of Korea die Ausweitung der wirtschaftlichen und militärischen Zusammenarbeit mit Russland sowie staatliche Großprojekte im Inland.
Das Parlament billigte zudem den Staatshaushalt für 2026. Er setzt die Verteidigungsausgaben auf 15,8 Prozent der Gesamtausgaben fest. Darin sind laut KCNA ausdrücklich Mittel für den Ausbau der nuklearen Abschreckung und der Kriegsführungsfähigkeiten vorgesehen.
Indirekte Kritik am Iran-Krieg
Südkoreanische Analysten werteten Kims Äußerungen zur Weltlage als indirekte Kritik am militärischen Vorgehen der USA gegen den Iran. Yang Moo-jin, Professor für Nordkorea-Studien, sagte laut Reuters am Dienstag: „Diese Umstände haben Pjöngjangs langjähriges Argument verstärkt, dass Atomwaffen unverzichtbar sind, um eine Intervention von außen abzuschrecken und das Überleben des Regimes zu sichern.“
Kim warf den USA und ihren Verbündeten vor, die Region durch die Stationierung strategischer Nuklearwaffen in der Nähe der koreanischen Halbinsel zu destabilisieren. Nordkorea sehe sich jedoch nicht mehr als bedrohtes Land, sondern verfüge über die Fähigkeit, selbst andere zu bedrohen, falls nötig.
Während der Parlamentssitzung wurde laut KCNA eine Grußbotschaft des russischen Präsidenten Wladimir Putin verlesen, in der dieser Kims Führung würdigte und eine Vertiefung der strategischen Partnerschaft zwischen Moskau und Pjöngjang zusagte.
🇷🇺🇰🇵 President Putin sent a congratulatory message to the Chairman of State Affairs of the DPRK Kim Jong-un on his re-election.
— MFA Russia 🇷🇺 (@mfa_russia) March 23, 2026
We will continue our joint work to further develop the comprehensive #RussiaDPRK strategic partnership to benefit our peoples.https://t.co/bpQWJ312y9 pic.twitter.com/a5DTLOiBs6
Nordkorea lieferte Moskau Waffen und Munition und entsandte Truppen, die im Rahmen des Russland-Ukraine-Krieges im Kursk-Gebiet im Westen Russlands eingesetzt wurden.
Die UN, die USA und die Europäische Union haben wegen des nordkoreanischen Atomwaffen- und Raketenprogramms Handels- und Finanzbeschränkungen gegen das Land verhängt. Die Bevölkerung leidet unter wirtschaftlicher Isolation und Versorgungsengpässen.


