Stella Assange, die Frau des Wikileaks-Gründers Julian Assange, hat die Öffentlichkeit in einer Pressekonferenz um Privatsphäre gebeten. Assange landete am Mittwochmittag (MESZ) als freier Mann in Australien. Nach jahrelangem juristischem Drama hatte zuvor eine US-Richterin Wikileaks-Gründer Julian Assange auf der Insel Saipan im US-Territorium Nördliche Marianen freigesprochen.
Der 52-Jährige bekannte sich wie vereinbart der Verschwörung zur Beschaffung und Weitergabe von Informationen zur nationalen Verteidigung schuldig. Danach konnte er den Gerichtssaal nach Angaben der Richterin Ramona V. Manglona „als freier Mann verlassen“. Assange wurde zu fünf Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt, die er bereits in Großbritannien verbüßt hat. Die Richterin sagte, sie hoffe, dass die Vereinbarung ihm nach seiner Inhaftierung etwas „Frieden“ bringen werde. Assange äußerte sich beim Verlassen des Gerichts nicht gegenüber Reportern. Der Australier stieg nach der Anhörung in einen Privatflieger in die australische Hauptstadt.
Stella Assange spricht für ihren Mann
Gegen 20 Uhr Ortszeit landete der 52-Jährige in Canberra. Wikileaks veröffentlichte auf der Plattform X ein Foto von Assange mit erhobener Faust auf dem Rollfeld des Flughafens. Assange wurde in Canberra von seiner Frau Stella sowie von seinem Vater John Shipton und Premierminister Anthony Albanese empfangen.
Bei einer Pressekonferenz um 21.15 (Ortszeit) sprach Stella Assange vor der Presse. Sie bat die Öffentlichkeit um „Zeit und Privatsphäre“, damit Assange das Erlebte verarbeiten könne. Ihre Familie – das Paar hat zwei Kinder – bräuchten Zeit, um sich als Familie einzuleben. Wann Assange erstmals nach seiner Freilassung wieder in der Öffentlichkeit auftreten wird, ist unklar. Den Zeitpunkt würde Assange selbst wählen.
Stella Assange: "I hope journalists and editors and publishers everywhere realise the danger of the US case against Julian that criminalises, that has secured a conviction for, newsgathering and publishing information that was true, that the public deserved to know.
— WikiLeaks (@wikileaks) June 26, 2024
That… pic.twitter.com/Gkv3dLzEtM
Brisante Informationen über Kriege im Irak und in Afghanistan
Assanges Anwältin Jen Robinson sprach von einem „historischen Tag“. Er beende 14 Jahre juristischer Auseinandersetzungen, sagte sie. Der 52-Jährige war am Montag aus dem Gefängnis in Großbritannien entlassen worden – dort saß er seit 2019 ein. Vor seiner Entlassung hatte Assange laut einem Gerichtsdokument die Verständigung mit der US-Justiz erzielt.
Assange wird in den USA beschuldigt, ab 2010 rund 700.000 vertrauliche Dokumente über militärische und diplomatische Aktivitäten der USA veröffentlicht zu haben. Die Papiere enthielten brisante Informationen über die Kriege im Irak und in Afghanistan, unter anderem über die Tötung von Zivilisten und die Misshandlung von Gefangenen durch US-Militärangehörige.
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Julian Assange war zwölf Jahre lang eingesperrt
Für seine Anhänger ist Assange ein Held, der für die freie Meinungsäußerung eintritt. Seine Kritiker sehen in dem 52-Jährigen einen Schurken, der die Sicherheit der USA und von geheimdienstlichen Quellen gefährdet hat.
Assange war zwölf Jahren lang eingesperrt. Sieben Jahre lang fand er Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London, weitere fünf Jahre verbrachte er im britischen Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh. Die Einigung erfolgte zwei Wochen vor einer wichtigen Anhörung vor der britischen Justiz ab dem 9. Juli. Bei dem Berufungsverfahren sollte es um die Auslieferung von Assange an die USA gehen. Nach einer Gerichtsentscheidung hatte die britische Regierung im Juni 2022 Assanges Auslieferung zugestimmt, der Wikileaks-Gründer kämpfte dagegen. Ihm hatten bis zu 175 Jahre Haft gedroht.


