Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck hat in der ARD-Sendung „Caren Miosga“ am Sonntagabend mit der Moderatorin über den Vertrauensverlust in die Demokratie diskutiert. Neben Gauck war auch die Managerin Julia Jäkel von der „Initiative für einen handlungsfähigen Staat“ und der Schriftsteller Lukas Rietzschel zu Gast.
Jäkel verwies auf Umfragen, wonach 73 Prozent der Bürger den Staat als überfordert wahrnehmen. „Das Hauptproblem, um das es hier geht, ist der Verlust von Vertrauen“, pflichtete Gauck bei. Die Bürokratie sei im Kern sinnvoll, weil sie Nachvollziehbarkeit schaffe, aber man sei „im Exzess gelandet“.
Gauck: „Jetzt holen wir das hier im Osten alles nach“
Gauck sagte, das Verhältnis zur Demokratie im Osten sei keine Charakterfrage. Auf die Frage, warum so viele Menschen im Osten Deutschlands die AfD wählten, sagte Gauck: „Sie sind im Grunde genommen altdeutsch“. Die Menschen in der früheren DDR hätten weder eine 68er-Bewegung mit einem herrschaftskritischen Diskurs, noch die „Erweiterung der Lebensräume durch Zuwanderung und vielfältige Kontakte mit anderen Kulturen“ gehabt. „Und jetzt holen wir das hier im Osten alles nach“, so Gauck. Die Zivilgesellschaft sei „nicht so weit, als hätten wir seit der Nachkriegszeit schon die Demokratie errichtet“.
Auf die Frage von #Miosga, warum so viele Menschen im Osten AfD wählten, lässt Joachim Gauck tief blicken. Menschen im Osten seien „altdeutsch“, weil sie weder 68er-Umerziehung noch die „Erweiterung der Lebensräume durch Zuwanderung und vielfältige Kontakte mit anderen Kulturen“… pic.twitter.com/JOP3rbcY7F
— Julian Adrat (@JulianAdrat) March 15, 2026
Gauck wurde 1940 in Rostock geboren. In der DDR war er evangelisch-lutherischer Pastor und Kirchenfunktionär. Im Zuge der friedlichen Revolution war er ein führendes Mitglied des Neuen Forums in Rostock. Von 2012 bis zum 2017 war er als erster Parteiloser im amt Bundespräsident.
Der Schriftsteller Rietzschel widersprach der These eines spezifisch ostdeutschen Problems mit der Demokratie. Die Skepsis gegenüber demokratischen Institutionen sei ein europäisches, wenn nicht globales Phänomen.


