Raumfahrt

Erste vorzeitige Evakuierung überhaupt: ISS-Besatzung wird aus „medizinischen Gründen“ zur Erde gebracht

Ein Besatzungsmitglied auf der ISS hat laut der Nasa ein medizinisches Problem. Wie Behörden-Chef Isaacman bekannt gab, soll nun die gesamte Crew zur Erde gebracht werden.

Die Internationale Raumstation ISS. Die Crew-11 wird vorzeitig zur Erde zurückgeflogen.
Die Internationale Raumstation ISS. Die Crew-11 wird vorzeitig zur Erde zurückgeflogen.Roscosmos State Space Corporatio/AP

Wegen eines nicht weiter definierten „medizinischen Problems“ eines Astronauten kehren die Crewmitglieder auf der Internationalen Raumstation (ISS) vorzeitig zurück zur Erde. Das teilte der Chef der Weltraumbehörde Nasa, Jared Isaacman, am Donnerstag in einer Pressekonferenz mit. Einzelheiten zu dem medizinischen Vorfall nannte er nicht.

Nasa-Angaben zufolge ist der Zustand des Besatzungsmitglieds jedoch stabil. Die vorzeitige Rückkehr sei kein Notfall. „Verbleibende Risiken“ hätten allerdings zu der Entscheidung geführt. Es handelt sich nach Angaben der BBC um die erste vorzeitige Evakuierung in der Geschichte der ISS überhaupt, die seit dem Jahr 2000 durchgehend bewohnt ist.

Seither gab es zwar mehrere Notfälle, wie Feuer, Lecks oder technische Probleme, doch in allen Fällen konnten die Besatzungen entweder an Bord bleiben oder vorübergehend in Rettungskapseln (Soyuz oder Crew Dragon) in Bereitschaft gehen, ohne die Station vollständig zu verlassen.

Während die Nasa nun die Rückkehrtermine der Crew-11 überprüft, arbeite die Behörde auch mit SpaceX und ihren internationalen Partnern zusammen, um die Möglichkeiten für eine vorgezogene Startgelegenheit der Crew-12-Mission zu prüfen, wie die Nasa in einer Mitteilung schreibt. Die Behörde erwarte in den kommenden Tagen eine Entscheidung über ein angestrebtes Rückkehrdatum der Crew-11.

Was macht die Crew-11 auf der ISS?

Die Crew‑11 besteht aus vier Mitgliedern: Zena Cardman (Nasa, Kommandantin), Michael „Mike“ Fincke (Nasa, Pilot), Kimiya Yui (JAXA, Missionsspezialist) und Oleg Platonov (Roscosmos, Missionsspezialist). Sie befinden sich seit August vergangenen Jahres an Bord der ISS. Wer von ihnen das medizinische Problem hat, gab die Nasa aus Gründen der Privatsphäre nicht bekannt.

Nasa-Pilot Mike Fincke, Missionsspezialist Oleg Platonov von Roscosmos, Nasa-Kommandantin Zena Cardman und Missionsspezialist Kimiya Yui von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA (von links nach rechts)
Nasa-Pilot Mike Fincke, Missionsspezialist Oleg Platonov von Roscosmos, Nasa-Kommandantin Zena Cardman und Missionsspezialist Kimiya Yui von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA (von links nach rechts)Joe Marino/imago

Die Astronauten arbeiten auf der ISS an vielen wissenschaftlichen Projekten und Wartungsaufgaben. Dazu gehören zum Beispiel Experimente mit Zellen, Untersuchungen zur Augen- und Gesundheitsforschung in der Schwerelosigkeit sowie Vorbereitungen für zukünftige Solaranlagen und Missionen außerhalb der niedrigen Erdumlaufbahn.

Die Astronautinnen und Astronauten tragen außerdem dazu bei, den laufenden Betrieb der ISS aufrechtzuerhalten und Experimente für internationale Partner zu unterstützen.