Einige israelische Militäroffiziere, die die humanitäre Lage im Gazastreifen überwachen, haben ihre Kommandeure in den letzten Tagen offenbar gewarnt, dass dort wahrscheinlich nicht mehr genügend Lebensmittel vorhanden sein werden, um den täglichen Mindestbedarf zu decken. Es drohe in vielen Gebieten der Hungertod. Das geht aus einem Bericht der New York Times unter Berufung auf israelische Verteidigungsbeamte am Mittwoch hervor.
Zuletzt hatte Israel stets angegeben, dass seine Blockade von Lebensmitteln und Treibstoff für den Gazastreifen keine größere Bedrohung für das zivile Leben in dem Gebiet darstelle, obwohl die Vereinten Nationen und andere Hilfsorganisationen von einer drohenden Hungersnot sprachen. Um dies nun zu verhindern, müssten nach Angaben der Quellen der New York Times sofortige Schritte eingeleitet werden, sodass das System zur Lieferung von Hilfsgütern schnell genug wiederhergestellt werden könne.
Gaza: Blockade dauert seit Anfang März an
Seit Anfang März blockiert Israel Hilfslieferungen in das Palästinensergebiet. Ende April erklärte das Welternährungsprogramm (WFP), nach mehr als sieben Wochen israelischer Blockade von Hilfslieferungen in den Gazastreifen seien die Lebensmittelvorräte in dem Palästinensergebiet aufgebraucht.
Der palästinensische Regierungschef Mohammed Mustafa hatte Israel vorgeworfen, absichtlich eine Hungersnot im Gazastreifen herbeigeführt zu haben. Der sich in dem Palästinensergebiet ausbreitende Hunger sei „keine Naturkatastrophe“, sondern ein „vorsätzliches humanitäres Verbrechen“, sagte Mustafa am vergangenen Mittwoch bei einer Konferenz in Ramallah im Westjordanland. Auch das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten (Ocha) warf Israel zuvor vor, die Lieferung von Hilfsgütern in den Gazastreifen als Waffe einzusetzen.
Das israelische Militär und das israelische Verteidigungsministerium lehnten es dem Bericht zufolge ab, sich zu den Aussagen der israelischen Offiziere zu äußern. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums sagte demnach, er könne keine Einzelheiten aus internen Gesprächen mitteilen, aber das Ministerium stehe „täglich in Kontakt mit allen relevanten Stellen“ und beobachte die Lage in Gaza genau.
Israel will „mit voller Kraft“ im Gazastreifen vorrücken
Die wohl zunehmende Anerkennung einer Hungerkrise im Gazastreifen durch Teile des israelischen Sicherheitsapparats kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Israel angekündigt hat, den Krieg im Gazastreifen drastisch auszuweiten, um die Hamas zu zerstören und die verbleibenden Geiseln zurückzubringen. Das israelische Sicherheitskabinett hatte in der Nacht zum Montag einen Plan verabschiedet, der nach Angaben aus Regierungskreisen eine „Eroberung“ des Gazastreifens und eine dauerhafte Besetzung vorsieht.
Der seit mehr als anderthalb Jahren andauernde Krieg war durch den Großangriff der Hamas und mit ihr verbündeter Kämpfer auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden. Dabei wurden mehr als 1200 Menschen getötet und 251 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Als Reaktion ging Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor.


